Sonntag, Februar 04, 2007

Aus der Belle Epoque: Madame Yucca


Bei dem Namen denkt man eher an einen von den Scharlatanen, die vor früher mit ihren bunt bemalten Wagen in Nordamerika herumgefahren sind und den Leuten Schlangenöl und andere tolle Dinge verkauft haben. Doch tatsächlich war Madame Yucca das, was man auf englisch «strongwoman» nennt. Also eine Zirkusathletin des Typs «Starke Frau».

Okay, rein körperlich hatten diese wuchtigen Frauen mit ihren üppigen wirkenden Figuren mit den austrainierten, definierten Bodybuilderinnen unserer Tage auf den ersten Blick recht wenig gemeinsam. Doch ging es den Muskelmaedels aus den Zeiten von Queen Victoria und Kaiser Wilhelm zumeist weniger um die idealen Proportionen, als vielmehr um Kraft. Und davon besaßen sie enorm viel. Zudem hatten die meisten gewaltige Bizeps-Muskeln, wie die überlieferten Daten zeigen – oder wie sonst soll man harte, straffe Arme von 40 bis 45 cm Umfang sonst bezeichnen?

Solche Muskelpakete brauchten Frauen wie Mary Uller, so der bürgerliche Name von Madame Yucca. Denn sie hoben an Bändern hängende, schwere Gewichte mit den Zähnen, ließen sie sich in die Haare binden und liefen dann umher. Sie lagen horizontal ausgestreckt zwischen zwei Stühlen, wobei ihre Körper nur mit Füßen und Nacken die Sitzflächen berührten.

Dann spannten sie ihre Bauchmuskeln an, während die Assistenten Gewichte auf sie packten. Natürlich stemmten und hoben sie auch alle erdenklichen schweren Dinge – und forderten dann die Männer im Publikum auf, es ihnen nachzumachen. Etwas, das dann meistens sehr zur Beschämung des ach so starken Geschlechts gründlich misslang.

Madame Yucca gehörte zum amerikanischen Zirkus von Adam Forepaugh und den Sells-Brüdern, einem von verschiedenen Eignern zwischen 1896 und 1907 geführten Unternehmen. (Forepaugh stammte aus einer deutschstämmigen Zirkusfamilie, der Familienname lautete ursprünglich «Forbach»). Dieser Zirkus kündigte sie als «Female Hercules», also als weiblichen Herkules, an und erwähnte ihre «beinahe übermenschliche Kraft». Durchaus mit Berechtigung, wie es scheint.

Denn sie stemmte nicht nur imposante Hanteln von150 Pfund Gewicht, sondern liftete auch riesige 500-Pfund-Ambosse sowie Stühle samt daraufsitzendem Herrn mit den Zähnen. Auch hob sie Hanteln, während jemand daran hing.

Doch zu ihren bemerkenswertesten Nummern zählte, dass sie auf ein robustes Gerüst kletterte und da ein Gurtgestell anlegte. Sie brauchte nun nichts weiter zu tun, als sich aufzurichten, ähnlich wie in der Schlussphase beim Kreuzheben. Der Problem bei der Sache war nur das hier: An dem Gurtgestell hing eine Plattform. Und auf der stand --- ein Elefant!!!

Wer’s nachmacht, kriegt von mir einen Euro!

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--- mattmuscle, der sich über möglichst viele sinnvolle Kommentare und Anmeldungen bei "Wer mitliest - die Muskelmaedel-Community" in der rechten Blog-Spalte freuen würde ...