Mittwoch, Dezember 10, 2008

Planetopia in der Nachschau

Die Kritik passt in ein paar Sätze: Man hat zT hochkarätige Leute befragt, man hat glasklar die Folgen von Doping analysiert (und en passant festgestellt, dass alle Profi-Masseleute auf Droge sind, klar, logisch) --- nur eins hat man nicht gemacht: von da einen Bezug herstellen können zu der jungen Dame, die der Film auf ihren letzten Schritten vor der Meisterschaft begleitet und akkurat portraitiert hat.

Was soll das sein: Das Portrait einer jungen Bodybuilderin? Oder die Anklage des Doping im Bodybuilding an sich? Hier haben wir zwei Themen, die erst einmal nichts miteinander zu tun haben. Wenn erstgenanntes Thema nicht mit zweitgenanntem zusammenhängt, dann aber kann man beides auch nicht einfach so zusammenzuschneiden – zumindest nicht, ohne ein paar entsprechende Sätze, die das "Verhältnis" der beiden Bereiche zueinander klären. Es sei denn, dass die aus dem Blickwinkel von Otto Normalverbraucher extrem anmutende Lebensführung schon als Bindeglied ausreicht ... Wie war das mit der Toleranz?

Ansonsten: Das fade Essen vor der Meisterschaft ist eine Sache extremer Disziplin und wirkt erst mal absurd - aber nur für den, der keine Allergiker kennt, welche sich ihr Leben lang nur von Dingen wie Astronauten-Kost und Kartoffeln (und zwar ausschließlich eine bestimmte Sorte!) ernähren müssen und bei denen am Küchenschrank eine Liste mit Hunderten von Inhaltsstoffen hängt, die diese armen Teufel meiden müssen.

Die Sache mit dem Wasserentzug und ähnlichem ist sicher nicht sonderlich gesund, aber empfehlenswert ist das Fressen und Kotzen von Fotomodellen (respektive diversen "Desperate Housewive"-Akteurinnen) auch nicht - und das dauert meist viel länger. Oder wie wäre es mit dem Gesundspritzen von Fußballspielern, die auch nach der dritten Kreuzband-OP wieder auflaufen (und all das natürlich ganz ohne "Substanzen" jeden Typs, logisch)?

Leistungssport hat nun mal seine Auswüchse. Und wenn beim BB noch Leute auf der Bühne stehen können, die sonst eigentlich seitens der Jugendwahn-Gesellschaft schon dem Alteisen zugeordnet werden, dann sollte das vielleicht auch in andere Richtungen zu denken geben als immer nur "Mein Gott, wie eitel" oder "alles Doping". Aber das scheint mir ein frommer Wunsch zu sein ...

Kommentare:

  1. Anonym13/12/08

    Habe diese Sendung zwar verpasst, aber "solche" Kommentare habe ich erwartet. Es wird doch Überall mit "Mittelchen" nachgeholfen, aber nur im BB wird sich aufgeregt.
    Ich bin zwar Fussballfan, aber ich bin trozdem überrascht, wie manche Spieler dass OHNE "Mittelchen" durchhalten (LIGA;Champions League; Uefa-Cup; WM oder EM)

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  2. Anonym14/12/08

    Naja, trotz Privatfernsehen fand ich den Beitrag eigentlich recht seriös gehalten. Und es ging ja nicht nur um Doping, sondern auch die anderen gesundheitsgefährdenden Dinge, denen sich männliche wie weibliche Bodybuilder so aussetzen (z.B. 36h nichts trinken). Okay, auch andere Sportarten sind leistungsmäßig ausgeübt nicht gesund, aber beim BB finde ich das persönlich nur krank, allein schon, dass Nebenwirkungen von Hormonen hier ja geradezu zum guten Ton gehören (z.B. "Bitch Tits" incl. Wegoperieren bei den Männern, männliche Stimmen und kantige Gesichter bei den Frauen, Akne bei beiden Geschlechtern). Hast du dir darüber denn schonmal ernsthaft Gedanken gemacht, worauf deine Vorliebe (zumindest bei einem Großteil der entsprechenden Frauen) beruht? Mich macht das noch unsicherer, was diese Vorliebe angeht

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  3. Natürlich habe ich mir das überlegt, seit Jahren, und das immer wieder. Natürlich ist das alles eine Sache, die mir (wie wohl auch dir) einerseits Lust und Freude und andererseits Frust und Unsicherheit beschert: ich kenne das Gefühl nur zu gut.

    Aber: Männliche Stimmen bei den Frauen ist nun absolut nicht mein Fall, wenn du darauf anspielen solltest: also eine Vermischung der Geschlechter. Muskulös ja - aber eben die Frau sollte noch als solche erkennbar sein. Kantige Gesichter: Klar - in Wettkampfform sehen die so aus, wegen extrem reduziertem Fett und vermindertem Körperwasseranteil. Aber das ist auch bei Männern nicht anders, auch da bilden derart kantige Gesichter nicht die Norm. Und überhaupt: Manches extrem dünne Model kann da auch mithalten ...

    Will sagen: FBB in off season sehen da wieder ganz anders aus (und je nach Typ) auch viel reizvoller und erotischer als in Wettkampfform -- das meine jedenfalls ich.

    Was da wem gefällt, das muss, so denke ich, jede(r) für sich entscheiden (und man vergesse da jegliche gesellschafltiche Normierung - sonst dürfte der eine ja auch nicht dicke Frauen mögen, und der nächste dünne und der dritte bitte nur Rothaarige und der Vierte Asiatinnen oder farbige Maedels).

    Die (hier rhetorisch gemeinte und aus all der Kritik à la Planetopia und anderen am FBB abzuleitende) Frage lautet demnach: "Das ist eine Vermännlichung, warum machen die Frauen das eigentlich - wollen die sich nicht mehr als Frau fühlen?"

    Eine Frage, auf die alle von mir befragten FBB je nach Stimmungslage und Charakter abwinkend-kopfschüttelnd, souverän-lächelnd oder erzürnt-erregt reagiert haben. Ihre Antwort unisono: Sie bestimmen selber, was sie tun - als Frau, sei sie nun hetero oder lesbisch. Und wenn das so ist, habe ich kein so großes Problem mehr mit mir und meinen Phantasien und Gelüsten.

    So. Zum Doping/Extrem-Sport/-Essen etc.. Nochmal: (F)BB nur darauf zu reduzieren und Doping-Beispiele ins Feld zu führen, die mit der im Film portraitierten jungen Dame allem Anschein nach nichts zu tun haben, halte ich für unseriös. Entweder das eine - dann ist das als Portrait okay. Oder das andere - und wenn schon, dann auch mit Portraits von bekennenden/aufgeflogenen Dopern.

    Klar ist das ungesund, weiß ich. Klar ist aber auch: In anderen Sportarten wird's totgeschwiegen (immer noch) oder seitens der Funktionäre zumindest stillschweigend geduldet. Anders ist das zB mit dem Radsport nicht mehr erklärbar, in dem erste Doping-Tote schon auftraten, als Good'old Arnold noch in die Grundschule ging.

    Ich halte das mit dem Doping und der verlogenen Haltung dazu für ein gesellschaftliches Problem. Und da ist das FBB ein Teil davon, nicht mehr, nicht weniger. Und viele stürzen sich halt hier drauf, weil sie diese extrem körperbetonten Leute als Angriff auf die eigene Körperlichkeit und sexuelle Identität sehen - und da schmeißt man halt aus Hilflosigkeit mit Dreck. Ist sicher nicht der alleinige Grund, aber IMHO ein wesentlicher.

    Mir wäre es - sage ich ehrlich - lieber, man würde das Doping zumindest partiell freigeben, dann könnte das wenigstens kontrollierter ablaufen. Wer dann den Sportlern (und damit den Muskelmaedels) ihre Leistung abspricht und sie nur noch als wandelnde Apotheken ansieht, der verkennt die Lage: Schinden müssen die sich für ihre Muskeln nämlich immer noch in kaum vorstellbarem Ausmaß.

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  4. marcusaurel21/12/08

    Hallo matt & der rest!

    Unglücklicherweise hab ich erwähnte Reportage nicht gesehen.

    Aber Dank des Berichtes bei muskelmädels einen Einblick gewonnen, wohin die Richtung ging.

    Beim Blog-Eintrag von Anfang Januar 2008 hat Matt das Thema Doping im FBB ausführlich durchleuchtet.

    Ich persönlich gehöre schon seit eh und je zu den Befürwortern des ungehemmten Dopings. Wenn Männer wie Rühl oder Coleman zu Muskelmonstern werden dürfen; dürfen es Frauen erst recht! Das ist die simple Quintessenz meiner Gesamtargumentation.

    Grundsätzlich ist Bodybuilding eine "sinnlose Tätigkeit". Vergleichbar mit Bergsteigen. Es geht bei beidem praktisch nur um die Selbstüberwindung, ein fernes, "hohes" Ziel zu erreichen. Ist es erreicht, wird die Welt dadurch nicht besser.

    Bergsteiger bringen sich selbst freiwillig in Lebensgefahr. Auch der perfekt gesicherte Steiger lebt mit dem Restrisiko. Hunderte Steiger sterben jährlich, Tausende Steiger werden verletzt (von den Risiken der Bergwacht-Rettern ganz zu schweigen) Würde jemals jemand auf die Idee kommen, das Bergsteigen zu verbieten?

    Leistungs-Bodybuilder, als wesentlich kleinere Gruppe Menschen, werden dagegen seit Jahrzehnten an den Pranger gestellt.
    Ich schätze ihr Look erzeugt gleichermaßen Neid wie faszinierenden Ekel.
    Und die Notwendigkeit der Kritiker, ihren Neid und ihre Faszination für sich selbst zu ERKLÄREN.
    Der bequemste & schnellste Weg ist, dies mit "Doping" zu tun.

    Obwohl daran wesentlich weniger Bodybuilder sterben, wie Bergsteiger. (Bei den Verletzungen will ich mal nicht urteilen, schließlich sollen fallende Gewichte sehr, sehr schmerzhaft sein!)

    Lang leben Muskelfrauen mit Schnurrbärten!

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  5. Na ja, lieber Marc Aurel, ohne deinen augenzwinkernden Enthusiasmus schmälern zu wollen: ich bin weder für ungehemmtes Doping noch stehe ich auf Muskelfrauen mit Schnurrbärten. Letzteres ist eine Geschmacksfrage und sei jedem unbenommen - mein Fall ist es ganz sicher nicht. Erstgenanntes ist dagegen deswegen abzulehnen, weil "ungehemmt" mich ein bisserl an"ungezügelt",
    "unkontrolliert" und damit auch - mit Verlaub - an "maßlos" und
    "ohne Sinn und Verstand" erinnert.

    Will heißen: Doping hat nur Sinn, wenn aus medizinischer Sicht kontrolliert, um etwaige Schäden (und die lassen sich ja nun nicht ganz wegreden) so weit wie möglich begrenzen zu können. Maßlos Präparate einzuwerfen - nun, das ist nicht besser als der Junkie vorm Tablettenschrank oder der Alkie mit der Schnapsbuddel: Beide können sich suchthalber nicht beherrschen und haben daher das rechte Maß völlig verloren.

    Doping kann nur funktionieren mit Maß und Ziel. Das aber muss jeder für sich festlegen und dies sinnvollerweise in Absprache mit dem Arzt. In diesem Rahmen sollte Doping freigegeben sein, damit in all den Sportverbänden endlich die Heucheleien aufhören, damit nicht hinterher nur die erwischten Sportler am Pranger stehen und die all dies wenigstens mit halbem Bewußtsein fördernden Funktionäre so tun können, als seien sie entrüstet und hätten nichts gewusst. Klar, wenn man den Kopf immer in die andere Richtung dreht ... Stets nur so war meine Ansicht zum Doping zu verstehen.

    Den Rest deines Beitrags mit der Sinnhaftigkeit von alldem und dem Verweis aufs Bergsteigen, den unterstütze ich völlig: Muss alles Sinn haben, was wir im Leben tun? "Wenn ihr nicht wäret wie die Kinder?", heißt's in dem dicken Buch. Ist neben dem Sinn der Spaß im Leben nicht mindestens genauso wichtig, damit wir als Menschen in der Balance bleiben?

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--- mattmuscle, der sich über möglichst viele sinnvolle Kommentare und Anmeldungen bei "Wer mitliest - die Muskelmaedel-Community" in der rechten Blog-Spalte freuen würde ...