Donnerstag, April 09, 2009

Neues zum Thema „Schmoe“

Was heißt das denn? Kommt gleich. Und was hat das mit uns Muskelmaedel-Fans zu tun? Nun, dieses Wort ist in der US-Szene seit gut einer Generation der Terminus für eine bestimmt Art von Fan – nämlich all diejenigen, die extrem muskulöse Frauen mögen. Und das in einer Weise, die Insider und Wissenschaftler durchaus als obsessiv im psychologischen Sinne einschätzen.

„Schmoes“, so heißt es aus Kreisen der Forscher, „sind so unheimlich wie das Fegefeuer.“ Überhaupt sei, so heißt es da, die ganze Szene rund ums Frauenbodybuilding, also die Industrie mit Nahrungsmitteln, Zeitschriften, Auftritten, Filmern und Fotografen in unglaublichem Maße überspannt und abgedreht.

Autsch! Das ist also die Sicht von außen. Muss man mal so hinnehmen. Und dann für sich selber entscheiden, bis zu welchem Grad das auf jeden selber zutrifft.

Es kommt nun ein etwas längerer Text, der sich mit dem Wort und der daran hängenden Untergrund-Welt befasst.

Doch zuerst zu dem Wort selber. Also: Das Wort stammt als Ableitung von „Schmock“ aus dem Jiddischen, aber dem durchs amerikanische Englisch gefärbten. Es heißt so viel wie „Depp“ oder „Blödmann“, und ist erst mal liebevoll-spöttisch und nicht herabsetzend und verletzend gemeint, kann aber auch als Begriff für eine "widerliche Person" gemeint sein. Als Bezeichnung für die hartgesottenen Muskelmaedel-Liebhaber setzte sich das ungefähr vor fünfundzwanzig Jahren durch.

Mit seiner neuen Bezeichnung versehen wurde der Begriff „Schmoe“ seitens „Pillow“. Was oder wer ist das denn? „Pillow“, das heißt doch „Kissen“ auf deutsch, oder? Richtig. Aber es war auch einer von mehreren Künstlernamen einer aus meiner Sicht sehr attraktiven Dame mit bürgerlichem Namen Theresa Jean Bell aus dem schönen Alaska, die einst als Bodybuilderin wie auch als Varieté-Stripperin (!) im Stil der 1950er Jahre auftrat. Und von wegen „einer von mehreren Künstlernamen“ – sie trat auch als „She-Beast“ in Erscheinung und ins Rampenlicht.

Und für alle jüngeren Leser (gibt’s hier überhaupt noch ein paar?) noch dies: Pillow war in Muskelmaedel-Kreisen nicht nur irgendjemand. Als 1981 die nur untergrundmäßig verlegte US-Zeitschrift „Women and Strength Periodical“ (W.S.P.) zu einer Wahl der besten Bodybuilderin aufrief, da setzen die Leser Pillow auf Platz eins.

Die wiederum buildete sich weiter und strippte auch noch munter. Sie tauchte auch einmal bei einem Stripperinnen-Wettkampf (Amerika, du hast es wirklich besser!) auf, der damals bei Wahre Liebe, Liebe Sünde oder einer anderen der zu meinem Leidwesen eingestellten Sex-Sendungen vorgestellt wurde. Und sie drehte zumindestens ein Video namens „Pillow at PJ’s“ (oder so), das sie und ihre Kolleginnen beim Entblättern in einem mehr als urigen Lokal in Alaska zeigt.

So. Zurück zu Schmoe.

Warum all das?
Und hier?

Ich habe da ein paar lustige psychologische Untersuchungen in den USA entdeckt. In Texten und via Web. Und auch den ein oder anderen gefunden, der sich mal diesem für einen Außenstehenden fremden Terrain neugierig und unbefangen nähert. Dazu gehört auch Carl Lanore von dem mit Bodybuilding befassten Web-Radio „Super Human Radio“. In seinem Podcast hat er zusammen mit dem Trainer und Bodybuilding-Insider Aaron Singerman eine ganze Sendung zu dieser (unserer?) Untergrund-Welt gemacht und dazu auch die Muskel-Domina „Sister Steel“ und den Ex-Schmoe „Fem Physique Fan“ interviewt. Man klicke hier (hoffentlich klappts, irgendwie fing das Ding bei mir dann an zu laufen und zu reden ...)

Um es gleich vorweg zu sagen: Beide Interview-Partner sind ihren Äußerungen nach zu schließen alles andere als triebgesteuerte Idioten, sondern wirken im Gegenteil (manchem Kraftwort zum Trotz) sehr feinsinnig und gebildet. Namentlich sind sie in der Lage, die psychischen Abläufe zu erkennen, zu benennen und einzustufen.

Okay, die Ausführungen von Sister Steel zum Thema Wrestling und Domination, zu den Abläufen von Sessions und den gängigen Arten davon (Scissor Session, Musscle Worhips, Fantasy Wrestling, Competitive Wrestling, Lift & Carry) sind ja nun nicht neu, auch nicht, dass es da zig Facetten von Kunden und ebenso viele Wünsche gibt.

(hier noch mal ein Bild von Pillow - sie war übrigens eine Natural Bodybuilderin!)


Jedenfalls ist daran auch interessant, dass Sister Steel sich als bisexuell bezeichnet, heute aber mit einem Bodybuilder verheiratet ist, dass sie kein „Weichei“ haben will, aber ihr Männe es durchaus genießt, dass sie sexuell weiß, was sie will und dass sie eine dominante Ader hat. Sister Steel hat sich fachgerecht zur Domina ausbilden, dass sie ihr Tun selber als Mischung aus Domination und „submission wrestling“ bezeichnet. Also einen Mix aus dem, was eine Domina so tut und dem aus Sessions bekannten Wrestling.

Was die Dame aber zu den da auftretenden Extremen zu erzählen hat, haut selbst einen Insider wie mich so um wie die beiden Interviewer. Etwa, dass es Typen gäbe, die ihr alles vererben und gar von ihr gemeuchelt werden wollen --- ich dachte, ich habe mich verhört.

Dann interviewten die beiden einen „Fem Physique Fan“. Das ist ein sogenannter „Schmoenomoe“. Der Begriff ist ein Wortspiel, abgeleitet von „Schmoe no more“, also auf Deutsch: „kein Schmoe mehr“.

Fem Physique Fan klassifizierte Schmoes so: Zuerst den cheap Schmoe, das sich dem folgenden Wortwechsel gemäß am besten mit „armer Schmoe“ übersetzen lässt. Der hat keine Kohle oder will sie nicht für seine Leidenschaft/dunkle Seite ausgeben (so einer war ich auch lange): Der sammelt nur Bilder, Videos etc., dies möglichst für lau.

Dann der durchschnittliche Schmoe: Der geht auch mal in eine Session (da gehöre ich rein).

Und der Super- oder Uber-Schmoe, der sich jeden Sex-Wunsch erfüllen kann. Fem Physique Fan verweist auf Kati Arnoldis Roman „Chemical Pink“ und den darin vorgestellten Millionär Charles Worthington – er habe den für eine Phantasie-Figur gehalten, bis er in einer Show von der FBB Denise Hoshor dies gehört habe: Ihr habe ein Mann 50000 Dollar geboten, um mit ihr zu schlafen.

Zum Unterschied zwischen „Schmoe“ und „Fan“ sagt Fem Physique Fan, dass es zum ersten keine klare Definition des Begriffes an sich, zum anderen auch keine eindeutig abgegrenzte Verwendung gäbe. Für viele seien die Termini „Schmoe“ und „Fan“ identisch.

Er aber zieht den Unterschied so: Ein Fan des Frauenbodybuilding sehe natürlich auch die sexuelle Seite seiner Begeisterung, erkenne aber auch die sportliche Leistung der Frauen, die Ästhetik ihrer Körper und schätze auch die ein oder andere Dame als solche, also wegen ihres Charakters. Nichts davon beim reinen Schmoe: Der lebe seine Begeisterung so gut wie immer heimlich und mit suchtähnlichen Bedingungen. Dem, so Fem Physique Fan, gehe es nur um das Sexuelle. Er verdinglicht demnach die Athletin zum Objekt seiner Begierde (so, wie man es als junger Kerl vom Militär kennt, wenn die Freundinnen nur noch zur „F**kmaschine“ degradiert werden.)

Der gute Mann fing sich seine Begeisterung in den 1980ern durch einen Blick auf ein Buch mit und vonRachel McLish: Er konnte seinen Blick nicht wegnehmen. (Kann ich gut verstehen, ging mir ein paar Jahre vorher ähnlich, der erste personifizierte und mir namentlich bekannte Auslöser bei mir war Jacqueline Nubret). Dann aber sei seine Begeisterung degeneriert. Er habe im Priesterseminar (!) via Internet die Seiten entdeckt, in denen so etwas wie FBB-Porno engeboten wurde.

Und das sei schließlich zur Sucht gediehen, die alles andere blockiert habe – Arbeit, Familie, Freunde. So schlimm ist es bei mir nicht, aber in Teilen davon sehe ich mich auch, vor allem, was dieses irre Bildersammeln angeht.

Und weil Ostern vor der Tür steht und der ein oder andere vielleicht ähnliche Probleme hat, sei gesagt, was bei dem guten Mann der Auslöser zum Stopp und zum Bekämpfen seiner Sucht und damit seiner Karriere als „Schmoe“ gewesen sei: Mitten bei einer Download-Tour habe sich ihm die Frage gestellt: „Wirst du jemals genug davon haben?“

Die Frage versuchte er zu verdrängen, hat es aber nicht geschafft. Schließlich, so Fem Physique Fan, sei ihm klar geworden, dass er zwei Jahre seines Lebens verschwendet habe für etwas, das ihm keine dauerhafte Befriedigung (das ist jetzt geistig gemeint) verschafft und nichts für ihn getan habe.

Heute bezeichnet er sich als Fan, der inzwischen auch freundschaftliche Beziehungen zu der ein oder anderen Bodybuilderin unterhalte und heute auch Wettkämpfe besuche, weil es ihn wieder wie zu Beginn aus ästhetischer und sportlicher Sicht interessiert. Und: „Wer sich dem so widmet wie FBB, der muss einen besonderen Charakter haben, weil er sonst nicht diese Leistungen erbringen kann. Der muss organisiert sein, diszipliniert, muss Hingabe haben und eine Vision von sich selber.“

Soweit dies. Mag jeder, wie er will, darüber nachdenken und sein eigenes Tun in Frage stellen.

Meine Analyse sieht so aus: Der sexuelle Aspekt ist bei mir auch da --- aber nicht nur. Ich denke schon, dass ich auch immer die anderen Seiten der Muskelmaedels gesehen habe und auch suche. Also: Was ist da jenseits der Muckis, welche Schicksale haben die Damen erlebt, was für besondere Karrieren durchlaufen? Wo haben sie sich noch anderweitig hervorgetan, im Guten wie im Schlechten? Wie gehen sie selber mit ihrer außerordentlichen Physis um? Welches Muskelmaedel reagiert auf Fans und Schmoes wie?

Das ist übrigens ein Grund für diesen Blog. Der andere ist schon meine persönliche Obsession. Das Austoben meiner Phantasien. Die (so habe ich jetzt gesehen und wieder gelernt) im Vergleich zu den Extremen harmlos sind. Ich würde sagen, ich bin schon so eine Art von Muskelmaedel-Romantiker. Ich will ein bisschen Domination, ich will die Kraft spüren, will die Muskeln bewundern --- will aber auch mit den Maedels lachen und mit ihnen reden und von ihnen etwas erfahren.

Für mich absolut nichts mit Blut, extremer Gewalt und allen Ausscheidungen ...

Bei mir hat vor einigen Jahren eine (more or less kurierte) Krankheit das „Schmoedom“ vertieft, ich bin vom armen zum durchschnittlichen Schmoe avanciert. Und verlängert hat sich das durch einen extrem stressigen Job mit pausenlosem Termindruck, der bei mir zum Wunsch nach manchem schnellen Ventil geführt hat. Hinzu kommt meine nicht überwundene Midlife-Crisis (in die kam ich gleichsam übergangslos aus der Pubertät ...).

Auch ich frage mich: Wann hört’s auf? Und habe durchaus ein bißchen Angst vor der Antwort, die da lauten könnte: „Wenn du mal wieder richtig krank wirst“ oder „Wenn’s sexuell nicht mehr klappt“ oder gar „Wenn du stirbst“.

Es sei aber auch zugegeben, dass ich Spaß dran habe. Nicht immer, aber meistens noch.

Kommentare:

  1. marcusaurel16/4/09

    hi mattmuscle!
    Hab soeben Deinen Schmoe-Artikel studiert!
    Absolutes kompliment! Großartig recherchiert! Woher hast Du nur all diese Details-Infos...? Du bist scheinbar ein lebendiges Bodybuilding-Lexikon?

    Nun aber zum Inhalt:
    Die 3er-Einteilung von Schmoes ist sicherlich korrekt; allerdings gibts das ja so in JEDER Lebenssparte, oder nicht? Ich hab jedenfalls die FBB-Erfahrung gemacht, dass die superreichen Schmoes ganz und gar nicht die beliebtesten sind - vor allem diejenigen die glauben, sie könnten sich Dank des Geldes benehmen wie sie wollten. Reiche sind ja oft so...
    Gut war Dein Schwenk zum Buch "Chemical Pink" und dem BB-Förderer Mr. Worthington. In den USA gibts meines (bescheidenen) Wissens eine nicht unbeträchtliche Anzahl Mr. Worthingtons mit recht viel Macht (in der BB-Industrie wie über die girls).
    Ich selbst gehöre auch den Pic-Sammlern an. Und genau wie in Deinem Artikel beschrieben, bin auch ich nach vielen Jahren des Sammelns an dem "Was-soll-und- bringt-das-alles-eigentlich?-Punkt" angelangt.

    Ich bewundere mit glühendem Herzen solche hochkonsequenten Schmoes wie Andy Vogel oder Genex oder Robby Brandt oder sogar Siggi von fibofoto.
    Nur ist freilich nicht jeder Schmoe so gradlinig gepolt... z.B. ich... Asche auf mein Cäsarenhaupt... gruß von marcusaurel.
    Gruß von

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  2. Hey mattmuscle,
    wusste echt nicht, dass es für "Typen wie mich"
    so eine richtige Bezeichnung gibt.
    Ich hätte da eher auf "Minderwerigkeitskomplex-
    behafteter Spanner" getippt.
    Naja, wie mans auch nennt. Ich bin nicht stolz drauf. Denn man kann sich irgendwie niemandem offenbaren.
    Viele Frauen merken aber auch so an meinen Blicken, dass ich mich oftmals mehr für ihre schönen durchtrainierten Arme interessiere, als für den Rest ihres Körpers.
    Einmal hab ichs geschafft, eine sehr kräftige Thresenkraft zum Armdrücken zu überreden.
    Da nur noch Mädels an der Bar saßen, hat es ihr sogar richtig Spaß gemacht. Das ich mit meinen dünnen Ärmchen keine Chance hatte, brauche ich nicht zu erwähnen...
    Dieses Highlight ist aber nun auch schon ca. 4 Jahre her. Seitdem bin ich leider nur noch der stille Genißer.
    Grüße Blomfield

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--- mattmuscle, der sich über möglichst viele sinnvolle Kommentare und Anmeldungen bei "Wer mitliest - die Muskelmaedel-Community" in der rechten Blog-Spalte freuen würde ...