Samstag, Oktober 30, 2010

Frauenbodybuilding ist tot

















Wummmmmmm! Da steht er, dieser Satz, dessen dazugehörige Diskussion solche Vögel wie mich geschockt hat. Denn diese Debatte hat in den vergangenen Tagen für einigen verbalen Aufruhr in den entsprechenden Kreisen gesorgt.

Keine Angst, die Formulierung des Titels ist in der Form überspitzt – aber es gibt aktuelle Gründe dafür, warum ich das so provokant ausgedrückt und auch das entsprechende Bild ganz oben gepostet habe (ich hoffe, die da als Beispiel genommene + quicklebendige Frau Riviecchio hat nichts dagegen).














Wobei zu erst zu klären ist, was Frauenbodybuilding in diesem Sinne ist. Also: Insgesamt meinen wir damit das Training und der sportliche Vergleich aller Maedels, deren Muskelmasse über das allgemein bei einer Frau akzeptierte Maß hinausgeht. 

Wobei wir gleich bei einer Kernfrage wären: Was ist nun (abgesehen von den biologisch zweifelsfrei feststellbaren Aspekten) „weiblich? Wäre also dieser abgebildete starke und toll ausgebildete Arm demnach unweiblich? (Geht nicht, der gehört Nikki Fuller - und die halte ich nachgerade für eine Sexbombe.) Und, ach ja, wer definiert diese Eigenschaft des Fraulichen im Hinblick aufs Äußere?

Fragen über Fragen. Und hier ist direkt noch eine: Warum stehen die ganzen Fragen hier?

Antwort: In diversen US-Foren kursiert ein Beitrag mit der schönen Überschrift: „The IFBB/NPC plans on doing away entirely with womens bodybuilding“. Heißt: Die Verbände IFBB/NPC wollen das Frauenbodybuilding komplett abschaffen.

Moment. Steht das ganze Frauenbodybuilding zur Debatte?

1) Nein. Wie soll das gehen? Kein Verband allein kann regeln, welche Frau wie und bis zu welchem Grad ihre Muskeln trainiert. Trainingselan kann jeder selber entfachen, Hanteln sind frei verkäuflich, Lebensmittelzusätze mehr oder minder. Und es muss/will ja nicht jedes prächtige Muskelmaedel auf die Wettkampfbühne.

2) Und Ja. Women's Bodybuilding meint in diesem Zusammenhang eine bestimmte Sportkategorie, wie in entsprechenden Verbandsregeln festgelegt. Da diese Kategorie aber vom Zulauf aus dem Sport als solches und der wiederum von Vorbildern auf der Bühne abhängt, geht es sehr wohl mittelbar auch ums ganze Frauenbodybuilding: Dem fehlt ja sonst der sportliche Nachwuchs.

Jedenfalls hat Bob Chicorello, der Repräsentant der IFBB-Profis, dazu einige längere und vielbesprochene Statements abgegeben.

Ein Satz daraus: „Das FBB hat sich selbst abgebaut, weil die Zahlen [gemeint die der Teilnehmerinnen] so sanken, dass wir es [gemeint ist die Durchführung von Wettkämpfen] nicht länger rechtfertigen können.“

Statt dessen soll eine neue Abteilung aufgemacht werden, die da heißt „Womens Physique Division“, abgekürzt WPD. Also alles nur ein Namens- und Kategorienwechsel? Und sonst alles beim Alten, sprich Frauen auf der Bühne, die (im übertragenen Sinne) massive Bizepshügel und berstende Oberschenkel aufweisen?

Nein. Chicorello sagt zwar, es würden sich nur ein paar Dinge ändern und tut das so, als seien das Nebensächlichkeiten, etwa betreffend den Ablauf der Veranstaltungen. Aber das stimmt nicht. Denn was man da vorhat, ist ein massiver Eingriff ins FBB. Wieder ein Zitat: „... der Unterschied wird sein, dass die Posen dahingehen umgestaltet werden, dass sie weiblicher wirken, und dass der Körperbau mehr dem Körperbau der Bodybuilderinnen aus den frühen bis mittleren 80er Jahren ähnelt.“

Und – in Amerika wohl very, very wichtig, um sich von der T & A-Fraktion abzugrenzen – auf der Bühne bei den WPD-Competitions nur barfüßige Athletinnen. Also keine in Hochhackigen wie bei den Bikini-Turnieren (T & A = tits and ass, das übersetz' ich jetzt aber mal nicht ...)



















Das provozierte Nachfragen wie „Wird Women’s Bodybuilding auch künftig in Ergänzung zur neuen WPD existieren? Antwort des Funktionärs: „Nicht unbedingt ... da die Zahlen beim FBB sein Jahren kontinuierlich fallen, wird irgendwann ein Schlussstrich zu ziehen sein. Women’s Bodybuilding ist veraltet geworden.“

Später schob Jim Manion von der NPC nach, es werde in seinem Verband auch künftig Wettbewerbe im Women’s Bodybuilding geben.

Meine Meinung? Um mal den legendären (und zugegebenermaßen unter weit schwerwiegenderen Umständen gefallenen) Spruch des deutsch-jüdischen Malergenies Max Liebermann aus Berlin zu zitieren: „Ick kann jar nich soville fressen, wie ick kotzen möchte.“

Hier geht’s, so scheint mir, doch nur um die Kohle. So frei nach der Devise: „Wir machen die Maedels auf der Bühne sozial akzeptabler, für den Mainstream konformer, dann werden wohl wieder mehr teilnehmen und wir wieder mehr Publikum anziehen und mehr verdienen.“

Wobei sich wieder fragen lässt: Wer definiert, was da passt? Und hat jemand die Betroffenen gefragt? Aktiv was dafür getan, dass es mit dem Frauenbodybuilding in gewohnter Weise weiter geht?

Nö. Das schreibe ich nun mal so hin, kurz und knapp. Ich beobachte das FBB jetzt seit gut 30 Jahren (ja, ich bin nicht mehr der Neueste). Und stets haben die bis an die Grenzen gehenden Maedels unter dem Unverständnis der Offiziellen zu leiden gehabt, stets waren es sie und nur sie selber, welche ihren Sport vorangetrieben haben.

„Muckis ja, aber doch bitte weiblich.“ Wie immer das geht. Doch dieser Fimmel mit diesem rein aufs Optische gerichteten Begriff betrifft von jeher nicht nur männliche Offizielle, sondern auch weibliche – ich darf daran erinnern, dass es Doris Barilleaux war, die den FBB-Competitions die Bizepspose mit der offenen Hand und den gespreizten Fingern beschert hat. Weil das weiblicher aussieht. Sagte sie.

Nicht aber geht es bei all diesem geschwurbelten Weiblich/Nicht weiblich-Argumentieren um die Anliegen der Athletinnen, die ihren Körperbau nach eigenem Gusto weiterentwickeln möchten und dabei auch gesellschaftlich nicht genehme Grenzen aufbrechen wollen.

Und überhaupt: FBB-Körperbau der 80er Jahre? Was soll das sein? Kay Baxter, Rachel McLish, Georgia Miller-Fudge oder gar Bev Francis? Vier tolle Sportlerinnen, vier höchst attraktive Ladies und auch vier sehr unterschiedliche „physiques“. Was ist denn nun die Richtschnur?

Nur um mal dran zu erinnern: Die eckten damals genauso an, wie es heute eine Iris Kyle, eine Aleesha Young und andere Leistungsbodybuilderinnen tun. Damals wäre auch eine austrainierte Regina Halmich dem Vorwurf der Unweiblichkeit ausgesetzt gewesen, ebenso eine Anneke Kim-Sarnau, eine Serena Williams – heute gilt ein solcher Body als sportlich-feminin: Die Zeiten ändern sich.


















Ist ja immer wieder auffällig, dass man bei eben dieser Debatte den beteiligten (aus meiner bescheidenen Sicht „richtigen“) Muckimaedels unausgesprochen, aber quasi unüberhörbar das Recht abspricht, ihre Weiblichkeit höchstselbst zu definieren. Wie erklären es sich all die Bekämpfer solcher „unweiblichen“ Muskeln dann die Kinder, welche eine einst als männlich bemuskelt angesehene Beverly May Francis zwischenzeitlich ins Leben gesetzt hat?

Gut. Inzwischen hat sich der durch die WPD-Debatte ausgelöste Tumult etwas beruhigt. Sieht so aus, als käme da „nur“ eine Klasse mehr. Aber bei alldem übersehe man eins nicht: Es gibt in vorderster Reihe Leute, die das Women's Bodybuilding und damit auch das extreme FBB an sich am liebsten absägen wollen.


















Wie aber sehen es die Betroffenen? Ich zitiere mal das, was die (mit oder ohne Muskeln zauberhafte und zudem höchst intelligente) Slowenin Brigita Brezovac in ihrem Blog dazu geschrieben hat:Jetzt hat sich der Staub gelegt, und ich fühle mich besser in dem Wissen, dass die WPD das BB nicht zerstören will, sondern nur eine Kategorie mehr werden soll. Sicherlich gefällt auch mir das Aussehen einer Cory Everson, aber IFBB-Pro-Bodybuilderinnen sind viel weiter voraus, um auf diesem Niveau bei Wettkämpfen anzutreten. Und wenn es heißt, FBB sei zu extrem, dann haben wir da immer noch die Kampfrichter, die uns ein Beispiel dafür geben sollten, wie FBB denn aussehen sollte.

Glauben Sie mir, es gibt viele Bodybuilderinnen in der Welt, die feminin und schön bleiben wollen, die sich nicht rasieren müssen, die noch all ihr Haar besitzen und eine normale Stimme, die nicht wie Männer aussehen und dennoch ein gutes Quantum an Muskeln aufgebaut haben.“ 

Soweit dies.

Und zu dem Thema „Bodybuilderinnen auch auf der Wettkampfbühne mit High Heels“ - nun, da habe ich so meine ganz eigene Meinung.

Das als Abschluss dieses Postings gewählte Bild links sollte das unzweifelhaft klar machen und auch dem letzten Nörgler zeigen, wie klasse das aussieht, wie herrlich das die Oberschenkel spannt und wölbt, wie toll es die kantige Kontur der Waden hervortreten lässt ...

Aber dazu kommen wir mal an einem anderen Tag.

*************

(So. Nicht wundern, wenn's bei der Anzeige des Postings hakt und klemmt. Denn irgendwie hat es das Programm heute darauf angelegt, uns zu ärgern.)

Kommentare:

  1. marcusaurel23/11/10

    armer mattmuscle... all das herzblut in diesem blog-entry mal wieder umsonst... niemand kommentiert... du tust mir leid und ich bewundere dich doppelt, dass du trotzdem so ungebremst weitermachst!

    Ich teile seit erst ganz kurzer Zeit die Meinung von Tammy Jones, die jüngst in ihrem Blog (wiederholt) die Meinung äußerte, dass das ungesunde und unnatürliche am FBB nicht die Masse und die massemachenden Drogen seien, sondern die extreme Entwässerung und Härte auf der Bühne, wo inzwischen in jedem Fingernagel ein eigener muskelstreifen erwartet wird (Leicht überspitzt).

    Würde man diese extreme anforderung, 3-5% Bodyfat auf der Bühne haben zu müssen kippen, wäre den Frauen und logischerweise ihrem Bild in der Öffentlichkeit viel geholfen, findet Jones.

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  2. femflexfan23/11/10

    Also ich liebe die Damen auf der Bühne, so hart und so trocken wie es geht! So ist der Sport, und das ist gut so!!!

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  3. femflexfan1/12/10

    ich sage es mal ganz einfach, wenn eine frau muskeln hat, dann sind diese auch weiblich! ganz egal wie gross sie sind. ! Einer hochspringerin sagt man ja auch nicht sie darf nur noch 1.70 hoch springen, weil höher zu nicht feminin wäre. BULLSHIT! wenns nach mir geht, dann soll es um das maximale gehen, dazu ist sport ja da, einer (eine) will die beste sein. wie will man denn da eine grenze setzen?

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  4. Anonym11/12/10

    femflexfan, ich stimme dir voll zu. muskelentwicklung quasi mit beta-blocker oder angezogener handbremse ist irgendwie undenkbar. entweder muskelwachstum oder nicht.

    hart und trocken mag ich die muskulatur übrigens auch. a bisserl masse darfs auch sein. gerne auch maximal.

    DreaminMan

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--- mattmuscle, der sich über möglichst viele sinnvolle Kommentare und Anmeldungen bei "Wer mitliest - die Muskelmaedel-Community" in der rechten Blog-Spalte freuen würde ...