Freitag, Juli 08, 2011

Eine wahre Finnin: Kike Elomaa



Bodybuilding, Popkultur und Politik – wer jetzt »Arnold Schwarzenegger« sagt, der hat vergessen, dass bei dieser Seite »Muskelmaedels« drüber steht. Und die Betroffene ist genau wie der vom Termi- über den Gover- zum Sperminator gewandelte Exil-Austrier jemand,der ebenfalls zu den Pionieren des modernen Bodybuilding zählt: Kike Elomaa.

Kike was?

Fangen wir vorn an. Die Dame, um die es geht, ist keine Amerikanerin, sondern eine Finnin (eine wahre sogar, aber darauf kommen wir noch). Das sieht man auch – sie ist blond und blauäugig.

Geboren 1955, heißt sie mit vollem Namen Ritva Tuulikki Elomaa. Und sie gehörte neben Rachel McLish und Kay Baxter und Carla Dunlap und Georgia Miller-Fudge und Claudia Wilbourn und Lisser Frost-Larsen zu den Maedels, die das Frauenbodybuilding vor gut 30 Jahren geprägt haben.

Gleich der zweite Titel der Ms. Olympia ging an sie, nämlich 1981. Da startete sie mit einer Größe von 1,65 Metern und einem Gewicht von 53 Kilogramm --- das waren noch andere Zeiten. Denn heute ist das die Gewichtskategorie der Fitness-Girls.

Was sie da 1981 hinlegte, war nichtsdestotrotz schlicht sensationell: Sie gewann nämlich außer der Olympia die finnische Meisterschaft, die europäische und die World Games. So etwas nennt man anderswo Grand Slam. Damit verwies sie Größen wie Carla Dunlap und Rachel McLish auf die Plätze.

Jedenfalls startete sie bei BB-Wettbewerben bis ungefähr 1983, dann gab sie das dran, blieb aber sportlich (bis heute). Sie initiierte in ihrer Heimat auch ein eigenes Sportturnier.

So. Nächste Karriere. In Finnland avancierte sie in den nächsten Jahren zu einer äußerst erfolgreichen Popsängerin, die sich darüber hinaus auch schon im Opernfach erfolgreich bewährt hat. Das liest sich nüchtern. Aber Kike Elomaa ist in ihrer Heimat ein ganz großer Star. Denn zeitweilig galt sie als die populärste Frau in Finnland.

Außerdem hat sie sich politisch engagiert – nämlich bei den Perussuomalaiset. Auf Deutsch: Bei den ”Wahren Finnen”. Das ist eine – und da wird es je nach politischer Prägung erfreulich oder unerfreulich – durchaus nationalbetonte politische Gruppierung. 1995 aus der Auflösung einer anderen Partei entstanden, vergleichen politische Beobachter die echten Finnen gern mit der ultra-konservativen Tea Party-Bewegung der USA. Mit dem Unterschied, dass es hier auch um eine starke Betonung des Wohlfahrtsstaats geht. Und wie alle nationalistisch geprägten Gruppierungen haben sie logischerweise auch einige durchaus nachvollziehbaren Vorbehalte gegen die Globalisierung.

Kike Elomaa wurde nun bei den Parlamentswahlen als Vertreterin des eher städtisch strukturierten Wahldistrikts Finland Proper in die Eduskunta, das Parlament der Finnen, gewählt – bis 2015. Insgesamt sind die Wahren Finnen drittstärkste Kraft geworden.

Das zeigt mal wieder eins – nämlich, dass sich Muskelmaedels eben nicht nur auf ihren Körper reduzieren lassen. Und dass das gern genommene Vorurteil vom doofen Bodybuilder falscher nicht sein kann. In Kike Elomaas Fall allein schon deshalb nicht, weil sie sich zu einer Zeit als Europäerin ans Bodybuilding gewagt hat, als das in der AlteWelt noch als reine Männerdomäne gab und jede FBB sich Vorwürfen wie »Mannweib« ausgesetzt sah. Nun, egal zu welcher Zeit - sehr viel weiblicher als Kike Elomaa, das ging eigentlich nicht ...

Ihre Siege bei der »Olympia« und auch bei anderen Wettkämpfen ebneten aber dem Frauenbodybuilding in Europa den Weg. Das ist übrigens nicht nur meine unbescheidene Ansicht, sondern auch die der IFBB. Denn die hievten Kike Elomaa 2001 in ihre Hall of Fame – dies auch, weil die schöne Nordeuropäerin mit von den Amerikanern gern als typisch europäisch beschriebener Klasse auftrat und wohl auch über ein ordentliches Quantum Charme verfügt. Und wahrscheinlich noch verfügt ...

Na, dann sei Kike Elomaa mit der neuen Karriere alles Gute gewünscht - auch wenn ich persönlich wohl anders gewählt hätte. Aber ich sehe es so: Politisch mag man anderer Meinung sein. Aber deswegen kann man jemand anderen doch noch mögen, sie/ihn sympathisch finden dürfen, oder? Ausnahmen gibt's, logisch. Aber wenn es als Prinzip anders wäre, dann würde das meine Ansicht von Pluralismus mächtig stören!

Apropos Finnland. Da wäre dann auch Marjo Selin zu nennen. Aber das ist mal eine andere Story. Abschließend noch ein Foto von Frau Elomaa aus jüngerer Zeit. 



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--- mattmuscle, der sich über möglichst viele sinnvolle Kommentare und Anmeldungen bei "Wer mitliest - die Muskelmaedel-Community" in der rechten Blog-Spalte freuen würde ...