Sonntag, April 03, 2011

Möpse, Möpse ...

Wuff!













... gemeint sind natürlich die sekundären Geschlechtsmerkmale der Frauen. Wer's ökonomisch sehen will: die Auslagen. Und statisch gesehen, handelt es sich da - im Idealfall - um eine freitragende Konstruktion ...

Der Busen.

Bekanntermaßen ist das etwas, das zu weiten Teilen aus Fett besteht und daher bei den auf Masse bedachten Bodybuilderinnen mit fortschreitender Trainingsphase schwindet. Also lässt die ein oder andere Dame da vom Operateur nachhelfen - so weit ist das ja allgemein common knowledge.

Aleesha Young. Tolle Athletin.
Aber ob sie sich mit der Oberweite
einen Gefallen getan hat?
Warum ich das schreibe? Ich habe dieser Tage ein Video von Aleesha Young gesehen. Von dieser jungen amerikanischen Bodybuilderin, die über sensationell starke Oberschenkelmuskeln und einen wunderbar prallen Muckipopo verfügt. Sie hat sich die Oberweite operieren lassen und hat jetzt einen riesigen Busen. Der ist freilich so ausladend, dass er meiner Meinung nach fast schon den übrigen Gesamteindruck ihrer athletischen Figur überlagert. Fast wirkt das so, als wolle sie davon ablenken.

Ich habe nun nichts gegen Busenoperationen und Brustimplantate bei Frauen. Überhaupt nicht. Im Gegenteil: An der ein oder anderen muskulösen Frau sieht das nachgerade toll aus, wie ich aus eigenem Erkunden weiß. Auch dann, wenn es prall und groß aus dem Bikinoberteil zu hüpfen droht! Und Spaß hat es in allen von mir handgreiflich näher begutachteten Fällen auch gemacht.

Gesund?
Ja klar.
Der Einwand musste kommen. 

Aber ist es gesund, wenn zum Beispiel angesichts des allgemeinen öffentlichen Bombardements mit Fotos perfekter Brüste die Psychen der Betroffenen leiden? Allenfalls Philosophen stehen über solchen - im Kontext des großen Ganzen gesehen - eher unwichtigen Dingen. Die anderen hingegen nicht, ob sie es nun zugeben oder nicht. Und die Zahl sogenannter körperdismorpher Störungen nimmt zu. Das weiß jeder Psychologe. Solange das mit den Eingriffen im Rahmen bleibt, spricht doch nichts dagegen, wenn eine erwachsene Frau an dem für ihr Empfinden neuralgischen Punkt korrigierend eingreifen lässt, wenn sie kann und will. Wie gesagt: erwachsen.

Paula Suzuki. Und bei Frauen mit
solchen Muckis achten Typen
wie ich manchmal gar
nicht auf den Busen ...
Aber manchmal wird's einfach optisch too much. Meiner Meinung nach ist das bei Aleesha Young ebenso der Fall wie bei Yvette Bova. Und von grotesken Auswüchsen wie Dawn Witham will ich nun gar nicht erst reden. 

Dies merke ich deshalb an, weil es beim Bodybuilding ja prinzipiell um die symmetrische Ausprägung der Muskulatur geht. Also nicht nur um gleich dicke Bizeps an beiden Armen. Sondern um eine Muskulatur, deren Maße in einem ansprechenden Verhältnis zur Körpergröße stehen sollte (das wird oft übersehen ...)

Busen-OP's sind nun wie der Rest der Schönheits-OP's etwas, das seine Hauptursache fraglos in der Filmindustrie hat. Hollywood hat schon von jeher an sich herumsäbeln lassen: Marylin Monroe am Kinn, Burt Reynolds und Melanie Griffith am ganzen Kopf. Und Cher - nun, manche Teile von ihr sind tatsächlich so alt wie sie selber (aber: dafür kann die Dame immer noch singen, dass man eine Gänsehaut bekommt). Bei den Society-Ladies nimmt das Geschnippel auch überhand. Das sieht man immer wieder im Fernsehen. Botox scheinen manche so oft zu verwenden wie ich Aspirin.

Nun ist Bodybuilding mehr als nur das Training der Muckis und das adäquate Essen. Und auch mehr, als sich hiner den Kulissen von helfenden Händen mit Bräunungsmittel und Öl einreiben zu lassen (bei Frauen kann ich da nur sagen: yummy, ich will auch - sorry, aber ich bin so) und dann die ganze Herrlichkeit auf der Bühne zu zeigen.

Sheilahe Brown. Die schöne Texanerin zeigt, dass
auch bei Muskelmaedels Sexyness vor
allem mit der Ausstrahlung zu tun hat. 
Nein. Viel Geld wird auch mit Hochglanzphotos und -filmen verdient, mit Werbeauftritten. Da geht es um Perfektion, die auch zumindest teilweise den "Mainstream", die Masse des Publikums, ansprechen muss. Dieser Mainstream verlangt nun aber in Nordamerika, wo das moderne Bodybuilding herkommt, bei Frauen aus dem Showbusiness nach einer tollen Oberweite. Als wäre jede Frau des Typs "BMW" keine Frau (kein Machospruch, sondern die witzige Selbstdiagnose einer lieben Bekannten mit sehr kleinem Busen). 

Natürlich wissen wir, dass weder Weiblichkeit noch sexuelle Anziehung nur von der Größe der Brust abhängt. Aber genau dieser Eindruck verfestigt sich immer stärker im allgemeinen öffentlichen Bewusstsein. 

Diese Entwicklung aber setzt natürlich auch die  Muskelmaedels unter Druck: Als der Sport in Mode kam, war es eben normal, dass mit zunehmender Bühnenform das Brustgewebe schrumpfte. Doch in den 1980er Jahren kam es dann zunehmend in Mode, dass sich Bodybuilderinnen Brustimplantate einsetzen ließen. 

Denn diese Frauen mit den großen und starken und klar konturierten Muskeln stehen in der Gunst der Öffentlichkeit immer noch weit hinten. Für viele sind das Outcasts, Rebellinnen gegen die allgemeine geschlechtliche Normengebung. Oft heißt es abwertend, die seien sowieso alle lesbisch (viele davon sind tatsächlich so oder bisexuell - so what?). 

So manche Bodybuilding-Funktionäre täten jedenfalls nichts lieber, als diesen Geist wieder zurück in die sprichwörtliche Flasche zu befördern. Aber viele Muskelmaedels wollen solch einen Körper nicht wegen eines sportlichen Regelwerks oder irgendjemandem in ihrer Umwelt, sondern für sich. Und das ist der Hauptantrieb für ihre ganze Schinderei.

Alina Popa. Bei ihr passt es einfach, dass
sie keine Implantate hat. Ich finde
sie enorm sexy. Auch deswegen.
Und dann dieses breite Smile!
Lada Plihalova hat das treffend formuliert: "Als ich im Gym anfing, war ich das einzige Mädchen, das nicht abnehmen, sondern Muskeln bekommen wollte."

Ähnlich hat sich auch Alina Popa geäußert: "Mit 18 ging ich erstmals ins Gym meiner Geburtsstadt, nur, um fit zu bleiben und etwas Gewicht zu verlieren. Das war der Moment, in dem meine Liebesbeziehung zum Bodybuilding begann."

Auch weiß ich von der ein oder anderen Dame, die (wie auch ich) mächtig Ärger mit den Knochen hat, aber weiter trainiert, weil es ihr zusagt und weil es das ist, was sie will. Sie.

Oder wie es die verstorbene FBB-Pionierin Laura Combes mal ausgedrückt hat: "Als ich noch jünger war, sagte meine Mutter andauernd zu mir: 'Laura, ich denke, du solltest keine Muskeln bekommen, denn es ist nicht schicklich, dass Frauen welche haben.' Ich sagte: 'Okay, Mom' und pumpte weiter."

Kim Perez. Super Arme,
schmale Taill
e. Implants?
Wozu Implants?
Natürlich ist dieser gesellschaftliche Konsens über "schicklich", über "männlich" und "weiblich" nicht irgendwo verbatim und in legem verankert. Aber er ist da, wie viele andere unausgesprochene, nicht definierte Regeln unseres Zusammenlebens auch.

Also muss eine richtig muskulöse Athletin zwischen zwei Wegen wählen: Entweder sie ignoriert diese geschlechtlichen Normen total, wie meiner Ansicht nach Renne Toney. Oder sie achtet beim Rest ihrer Erscheinung darauf - unter Umständen so, dass es auf einen Außenstehenden wie eine überzogene Reaktion wirkt.

Wie eben Aleesha Young mit ihrer Superweiblichkeit suggerierenden Mordsoberweite.

Nun, das Folgende darf man mir als Chauvispruch ankreiden. Aber ich meine es als Kompliment, weil es etwas ist, das mit gefällt: Auch mit Supermuskeln bleiben die meisten dieser Frauen immer noch ganz Mädchen. Lieben also schöne Kleidung, stylen sich gern, gehen shoppen, flirten, verdrehen (sofern hetero) Männern auch mal gern den Kopf und suchen Anlehnung. Und von Zeit zu Zeit, da bekommen einige von ihnen übrigens auch Kinder - wie im richtigen Leben ...

Soll heißen: Muskeln hin oder her, das sind Frauen, denen ihre Weiblichkeit und etwaige Zweifel daran eben nicht egal sind. Will nun also solch eine Frau Erfolg auf der Bühne und als Muskelmodel haben, dann muss und wird sie auf die Präsenz der geforderten weiblichen Attribute achten. Also wird halt auch oben rum operiert.

So weit in Ordnung, wenn es im Rahmen bleibt. Ich beurteile das nach meinem ästhetischen Empfinden, werde aber auch das Recht jeder Dame verteidigen, die sagt, ich will "die Dinger" so groß und nicht anders. 

Ist nun einmal wie immer im Leben: Tolerieren fängt mitunter dort an, wo's einem selber weh tut. Und mir tut es dort weh, wo bei Bodybuildern (m + w) Muskeln per OP vorgegaukelt werden. Wer es nicht glaubt und/oder wer dazu mehr wissen will, der lese hier unter The Cosmetic Surgery Directory nach. Ich find's zum Teil erschütternd.

Annie Riviecchio. Seit
Jahrzehnten im BB, spricht
sie sich vehement
gegen Busen-Implantate
aus. Es sei unlogisch,
gezielten Fettabbau
zu betreiben und dann
davon betroffene
Partien zu ersetzen.

Zum Schluss noch die Frage: Geht's nicht auch ohne?
Aber natürlich.

Deswegen habe ich ja die hier gezeigten Fotos zusammengesucht. Sozusagen als Statement dafür, dass man die Muskelmaedels beim Thema Busen nicht unter Druck setzen sollte. Wer so eine OP will, in Ordnung. Wer das nicht will, auch in Ordnung. Es dürfte eigentlich aber kein Grund sein, jemanden etwa auf der Wettkampfbühne zu benachteiligen.

Also - wer verzichtet auf das Doppelpolster?

Annie Riviecchio aus den USA weigert sich seit Jahren konstant, eine Brust-OP vornehmen zu lassen. Sie hat auch schon mal einen offenen Brief an einen Bodybuildingverband geschrieben. Darin verweist sie auf die den Busen-OP's von Bodybuilderinnen innewohnende Widersprüchlichkeit. Bei ihr könnte ich mir das auch nicht vorstellen. Da würden die neuen Brüste ja ihre sensationellen Brustmuskeln verdecken.

Auch Alina Popa hat keine Implantate. An der außerordentlichen erotischen Ausstrahlung dieser Dame hat dennoch niemand Zweifel, der je mit ihr in näheren Kontakt gekommen ist.

Dena Westerfield - so was von sexy
auch ohne großen Busen.
Und mit starken Muckis, na logisch.
Dr. Dena Westerfield kommt ohne aus, Milena Tevilova, Christa Bauch, Colette Guimond, Monica Mollica - bei der zuletzt genannten Dame könnte ich aus der Hose springen, wenn ich nur schon Fotos von ihr sehe. Monica Mollica hatte übrigens vor einiger Zeit eine Umfrage unter ihren Fans laufen: "Soll ich oder soll ich nicht?" Die Mehrheit der Leute sagte, sie solle sich nicht operieren lassen.

Also, solche "Einbaumaßnahmen" müssen nicht unbedingt sein, damit die jeweilige Athletin Erfolg in ihrem Sektor hat. Und wenn, sollte es - aus meinem ästhetischen Empfinden her geurteilt - proportional zum Rest der Erscheinung passen. Wobei es auch hier Ausnahmen gibt. But that's another story.

Wenn der oben gezeigte Busen das Wort
"wuff!" verdient, dann tut das auch
diese starke Brust eines
top trainierten Muskelmaedels!

Kommentare:

  1. Anonym6/4/11

    Ich denke mal, es wäre noch interessanter, ohne Oberteil aufzutreten. Ist doch ohnehin nichts zum verstecken da, Im Gegenteil, die Brustmuskulatur käme noch besser zur Geltung.

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  2. Hallo Mattmuscle!
    Genial! Du bringst es auf den Punkt. Es macht Spass, deine Texte und Kommentare zu lesen. Kein wegklicken nötig. In- und Gehalt garantiert!
    Bodybuilding, Sport, und überhaupt hat doch wirklich nur den einen Sinn: Fett weg und androgyner Auftritt. Strukturgeber Nr. one: Der Muskel. Wer sie liebt, kann bei Frauen nicht nein sagen. Sonst stimmt da was nicht.
    Ich möchte behaupten: Hollywood und Co. Der Versuch von eigentlich puritanisch verklemmten Businesspeople (Geschichte, Historie), einmal mehr das "weibliche" irgendwie zu "machen", "konstruieren", Maße draufdrücken. Fließband - alles unter Kontrolle. Das läuft; wie der Markt.
    Also, wie gehabt und immerfort: Grenzen setzen.
    Das geht nun tausende Jahre schon.
    Frauen täten gut daran, wenn sie dies zur Kenntnis nämen und sagten, wie die Laura (frei nach Mattmuscle-Zitat): "...'Okay, Mom', und pumpte weiter."
    Einmal sollte doch Schluß sein mit dem Gelaber von Regeln. Für was und wen eigentlich?
    Was hat die boobs- und beautygeile Mainstreammeile mit den Frauen immerzu vor? Und was hat sie nicht alles bereits angestellt? Frauen sollten sich fragen: Wieso gerade die Figure- und Bikinifraktion immer irgendwie ab einem bestimmten Alter auf stets die gleichen Abstellgleise geschoben wird. Alte Knacker nehmen junge Hühner. Weil die soooo ästhetisch ausehen? Mitnichten. Was tun die denn für ihren Body? Die meisten nicht mehr als ein normaler Nordic-Walker, wenn er zwei mal in der Woche für eine halbe Stunde in der Botanik herumstakt. - Unter uns: eine Muskellady würde dies nicht für ´ne Million tun, oder? So viel zum Thema Selbstwertgefühl und Selbstachtung.
    Also, liebe Mädels, lasst euch nicht lächerlich machen von den üblichen Langweilern der traditionellen Kultur- und Genderzunft. Mit Spaß hat das eh nichts zu tun, eher mit Sexualneurosen und Trophäenjagd.
    Übrigens: nichts ist sexier als eine durchtrainierte harte wegreduzierte weibliche Brust. Eine Frau! Yeah, es geht doch! Ergebnis extremer Körperbeherrschung und Rückreflexion auf den eigenen Sexus! DER Kick! Und einziger Zweck von Schinderei! Natürlich Provokation. Provoziert werden die Faulen, die Bequemen.
    Zum Glück sind es Frauen wie Dena Westerfield, Marylynne Mackenzie, Alina Popa, Bev Francis, Annie Riviecchio, Kim Perez und die vielen anderen, die der "Weiblichkeit" ihr freches und agiles und souveränes Image wieder verleihen. Weiter so!
    FeMuFan

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  3. Steve14/4/11

    Servus Matt,

    ich möchte auch einmal herzlich danken, für diesen besonderen und engagierten Blog. Er ist klasse gemacht und immer wieder inspirierend. Ich bin seit vielen Jahren Stammleser. Vielen Dank und weiter so!

    Die Fantasiegeschichten finde ich toll, wenn sie nicht gerade mit Gewalt, Erniedrigung oder Dominanz zu tun haben. Kann ja auch mal romantisch sein.

    Zum Thema hier: Flache Damen sind ok, große Implantate sind quatsch. Kleine Implantate lasse ich durchgehen.

    Besondes danken möchte ich aber für das letzte Bild. Es ist eine schöne Perspektive und vor allem zeigt es feine Härchen auf der Haut.
    Die Königsklasse für mich sind Bilder, mit blonden Haaren auf trainierten Armen. Da schmelze ich dahin. Die werden leider oft weg gewachst, findet sich aber von Zeit zu Zeit. (Jan Harrell, Nidia Hermosilla, Alfie Newman, etc.)
    Matt, vielleicht ist das ja mal ein Thema für dich: der natürliche, trainierte Typ Frau - der selbstbewusst genug ist, sich nicht dem Gesetz der Mode/Kosmetik unterzuordnen.

    Weiter Euch allen viel Freude und alle Gute.

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--- mattmuscle, der sich über möglichst viele sinnvolle Kommentare und Anmeldungen bei "Wer mitliest - die Muskelmaedel-Community" in der rechten Blog-Spalte freuen würde ...