Neulich, in meinem Postfach:
Vorab will ich ein riesengroßes Dankeschön ansprechen! Durch deinen Blog lese ich mich sehr sehr gerne und finde es äußerst angenehm, Personen zu finden, die die Vorliebe zu muskulösen Frauen teilen.
Ich weiß gar nicht genau wie ich diese E-Mail anfangen soll… allerdings brennt mir eine neue Erfahrung auf der Seele, welche nicht gerade positiv ist.
Vor langer Zeit habe ich in dem noch jungen Alter von ca. **-** Jahren
einen Liveauftritt der physique-Klasse auf (lass mich lügen, Eurosport)
gesehen. Diese lief mitten in der Nacht und ich bin per Zufall beim Durchzappen darauf aufmerksam geworden.
Danach kreisten meine Gedanken wieder und wieder um das im Fernsehen gesehene und haben mich nicht mehr losgelassen.
Ich kann ohne Hehl und voller Stolz sagen, dass mich Frauen mit Muskeln
anziehen! Ob Figur-, Physique- oder die obere Riege der absoluten
Bodybuilding-Klasse. Dabei kann ich nicht einmal genau kategorisieren wieso, weshalb, warum
mir das weibliche Geschlecht mit entsprechenden Muskeln so sehr
anzieht.. Allerdings weiß ich, dass ich es nicht mehr missen möchte! Ich merke,
dass in mir ein warmes und wohliges Gefühl aufsteigt, wenn ich muskulöse
Frauen sehe und an sie denke. (Im entsprechenden förmlichsten Sinne,
denn Frauen verdienen immer Respekt und das höchste Maß an Anerkennung!)
Bitte entschuldige den kleinen Exkurs, denn jetzt kommt mein eigentliches Anliegen… :)
Ich habe die Zuneigung zu muskulösen und fitten Frauen, vor nunmehr ** Jahren festgestellt und lebe damit wirklich im Einklang. Ich führe eine
glückliche Beziehung bin selber sehr sportlich und alles was
dazugehört..
Allerdings habe ich mit niemandem jemals über meine Vorliebe
gesprochen… durch die sozialen Medien etc. ist es sehr einfach,
Bodybuilderinnen etc. zu folgen und sich Bilder und vieles mehr
anzugucken…
Dies unter anderem durch Apps wie Instagram… vor ein paar Tagen hat ein
langjähriger Freund von mir gesehen, dass ich ein Fan von Alina Popa,
Hayley Brylewski und vielen mehr bin. So weit so gut, damit kann ich
umgehen.
Was ich jedoch nicht verstehe, ist, dass ich als „kink“ angesehen werde ("kink" = aus dem Englischen, „in der menschlichen Sexualität ist Perversität die
Verwendung unkonventioneller sexueller Praktiken, Konzepte oder
Fantasien:“)
Also, ich habe mit nun beinahe 2* Jahren als angehender Akademiker viel
erlebt und bin der Meinung, eine vernünftige Bildung genossen zu haben,
aber ich verstehe einfach nicht, wieso es so verwerflich ist, muskulöse
Frauen zu mögen. Durch vernünftige und ruhige Argumentation ist dem Ganzen einfach nicht entgegen zu kommen. Selbstverständlich sollte man
die Rolle eines „angeblichen“ Freundes überdenken, wenn dieser so eine
Vorliebe o.ä. als Perversität ansieht. Bei mir macht sich dadurch
mittlerweile einfach nur noch Unverständnis und mittlerweile Wut breit….
Sogar absolutes Unverständnis!
Das wollte ich doch nur einmal gerne einer Person mitteilen, die mich versteht und das hoffentlich nachvollziehen kann.
Soweit diese Zuschrift.
Ich habe auch darauf
geantwortet und geschrieben, dass ich das gern in anonymisierter Form im
Blog veröffentlichen würde - habe aber keine Reaktion erhalten. Daher gehe ich vom Einverständnis aus, zumal ich das Posten dieses Beitrages sowieso nur in strikt anonymer Form vornehme. Aber der Reihe nach.
Geantwortet habe ich per Mail so:
Solange niemand zu Schaden kommt, solange es nicht gegen den Willen
des/der anderen bzw. gegen den eigenen geht, solange niemandem Gewalt
angetan wird - also solange es auf gegenseitigem Einverständnis zwischen
entsprechend alten und damit selbstverantwortlichen Personen beruht ---
solange hat auch niemand etwas an der Wahl meiner Vorlieben oder meiner
Partner zu bekritteln.
So ist es zumindest in der Theorie.
Frage einmal jemanden, der z.B. als weißer Mensch einen farbigen
Partner (welchen Geschlechts auch immer) hat, da gibt es immer noch dumme
Sprüche! Dies zum einen - zum anderen habe ich im entfernten Bekanntenkreis
auch jemanden, der (kein Witz!) die Domina geheiratet hat, zu der er
immer gegangen ist.
Und?
Wenn's passt, alles gut!
Zurück zu der Frage, wie mit der mangelnden Akzeptanz unseres
Faibles/Fetischs und dem daraus geborenen Spott der anderen umzugehen
ist. Wie man da immer souverän verfährt, ist eine Frage, auf die ich
leider auch keine Antwort mit halbwegs allgemein umsetzbarer
Handlungsanweisung geben kann. Ist in dem Fall natürlich auch zu klären, wie man damit umgeht,
wenn die abwertenden Kommentare von jemandem stammen, den man ja als
Freund sehr schätzt.
Würde mal meinen, dass genau an der Stelle auch der Hauptgrund
liegt, warum viele ihre Neigung doch für sich behalten: Muskelmaedels
sind für viele halt doch noch immer extremst ungewohnt und laden daher
dazu ein, in ihnen einen unzulässigen Verstoß gegen Geschlechterrollen
u.ä.m. zu sehen und die Anhänger dieser Maedels entsprechend zu
desavouieren.
Man sollte sich als Muskelmaedel-Fan klar darüber sein, wie die anderen das eigene Faible sehen, halte ich für realitätsbezogen. Was nicht heißt, dass es richtig ist, wie es ist - das ändert aber nichts daran, dass es so ist.
Ob es was helfen würde, deinem Spezl mal in einer ruhigen Minute zu
stecken, wie seine Äußerungen auf dich wirken und dass er dich verletzt
hat?
Das kann ich nicht beantworten, du kennst ihn, ich nicht.
Aber: Ich kenne das Problem, dass "die anderen" auf die eigene
Neigung herabblicken und dich verächtlich machen und dass die Angst
davor die meisten in die Heimlichkeit zwingt. Eine praktische Lösung dazu habe ich nicht, da das von der Toleranz und der Selbstkritikfähigkeit beim Gegenüber abhängt.
Soweit meine Antwort.
Darüberhinaus:
Da sehe ich das auch noch so: Es geht in der o.g. Zuschrift also nicht nur darum, dass sich in ihr einmal mehr zeigt, wie
begeistert jemand bei und seit "Erstkontakt" auf Bodybuilderinnen und muskulöse
Frauen reagiert. Nein, dazu ist noch mehr zu sagen. So zeugt der in dieser Zuschrift dargestellte Vorfall doch auch davon, wie herablassend, rücksichtslos und spottend andere auf eben diese Vorliebe, dieses Faible oder meinetwegen auch diesen Fetisch reagieren.
Denn trotz allen
Gender-gerechten Schreibens mit Sternchen, trotz aller nunmehr mit Pausen im Nomen redenden TV- und Radio-Moderatoren, trotz der Vermeidung
generischer Substantive zugunsten der IMHO oft unverständlichen Partizipialkonstruktionen, trotz
aller CSDs, trotz all des gesellschaftlich ach so gern wohlfeil
demonstrierten Verständnisses für m/w/d --- da sind die immer noch weithin
seit Jahrzehnten üblichen gedankenlos-verletzenden Reaktionen auf die Aussage, dass man als Mann (hetero) auf Muskelmaedels
steht. Weswegen das Ausleben dieses Interesses immer noch etwas ist, das vor allem im Heimlichen stattfindet, allem lautem Brimborium an unzähligen Plätzen im Internet zum Widerspruch.
Und diese Aussagen zeigen, dass Toleranz nur dort wie eine
Monstranz (für alle anderen Heiden: ist was Katholisches) hochgehalten
wird, wo es gesellschaftlich genehm ist und somit sozusagen soziale
Fleißkärtchen erzeugt.
Ansonsten: Wie immer, wie früher.
Und so lange das so ist (hier wie auch in vielen anderen gesellschaftlichen Feldern), gebe ich auf all diese Political Correctness absolut nichts, da sie billig zu haben ist, da ihre Vertreter und Verfechter damit die moralische Meinung zu dominieren glauben und viele dem eben dort folgen, wo immer es gesellschaftlich gerade opportun ist. Jedoch ändert dies absolut nichts an den tatsächlichen Missständen und damit auch nicht an denjenigen davon, an deren Beseitung sich etwas tun ließe.
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Ansonsten bin ich aus beruflichen wie privaten Gründen derzeit nur äußerst selten dazu in der Lage, hier im Blog sehr viel zu tun. Ich hoffe, dass das bald wieder etwas besser werden wird.