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Samstag, 2. Juli 2016

Muskelmaedels mit Kindern --- ein paar Gedanken

Lorna Biggam mit Töchterchen Quinn

Kinder --- leider nein, soweit ich das weiß, habe ich keine. Und das, obwohl ich durchaus geübt habe. Daher war das hier nie Thema (auch deshalb nicht, weil dieser Blog ja vor allem einmal auf die freiwilligen, erotischen Beziehungen unter Erwachsenen gemünzt ist).

Frauenbodybuilding und Kinder. Das war immer etwas, bei dem man nicht groß nachgedacht hat. "Man" heißt hier "die Gesellschaft" (es lebe die Pauschalierung!). Man nimmt fast schon automatisch an, dass das nicht geht. Die "Gründe" für diese steile These sind mehr oder minder unbewusster Natur und werden so gesellschaftlich gern auch dargestellt: Frauen mit Muskeln = Vermännlichung und damit Entweiblichung. Folglich seien die Betroffenen auch unfähig, Kinder zu bekommen, so die Annahme. Hinzu kommt, dass vielen Muskelmaedels - ebenfalls unterschwellig - homosexuelle Tendenzen unterstellt werden, warum sollten sie sonst "so" aussehen wollen?

So. Das mit der Homosexualität sollte heute kein Thema mehr sein, kein Aufreger. Wenn also eine Frau Frauen liebt, dann mag ich als Mann das traurig finden, vor allem dann, wenn mir die Betreffende gefällt und ich vor lauter Gefallen schon nicht mehr laufen kann. Aber das ist dann eben so, aus die Maus. Dass auch homosexuelle Frauen Kinder bekommen können und haben, sollte sich ja inzwischen herumgesprochen haben. What else is new?
 
Nach der Geburt ihres Jungen zu schwer, nahm Jenny
Clark satte 50 kg ab und wurde Wettkampf-BB - hier
albert sie mit ihrem Sohnemann herum ...

Bleibt das mit der Vermännlichung. Oh, das ist das Thema, das in unserer ach so offenen und toleranten Gesellschaft immer noch und immer wieder gern genommen wird, um jemanden zu bashen, der nicht zu dem passt, was man im Körperlichen bereit ist zu tolerieren. Gender, Transgender und Sonst-Was-Gender, alles gut und schön, aber es gibt aller behaupteten Toleranz (meine Interpretation: aller moralischen Selbstgefälligkeit) zum Trotz noch genug in Sachen Körperlichkeit, über das man sich gleichsam mit gesamtgesellschaftlichem Segen aufregen kann. 

Maedels mit extremen Muskeln gehören dazu. Man warte einfach, bis der nächste Bildband zu dem Thema rauskommt und lese dann die Rezensionen. Ich kann mich noch gut erinnern, als die Bücher von Martin Schoeller und Bill Dobbins erschienen sind - und an das, was dazu im deutschen Blätterwald erschienen ist. Eigentlich nicht viel anders als vor gut 200 Jahren, als man auch den friedfertigsten Herrn mit Zweifel an seiner Männlichkeit oder Ehre in ein Duell treiben konnte.
 
Hier demonstriert die hochschwangere Meghan Leatherman,
dass Frauen auch in der Schwangerschaft hart trainieren
können. Und dass die Antwort auf die Frage, ob das denn
geht, am besten sie selber geben können!

Und hier führt die Athletin Katja Herjanne vor,
was einer Schwangeren körperlich so alles möglich ist!
Nun. Wenn körperlich starke Frauen mit Muskeln vermännlicht sind, sind dann schwächliche Männer mit unansehnlichen Muskeln weiblich? Die in der Frage implizierte Antwort sollte schon zeigen, wie viel Bullshit in vielen gesellschaftlichen Konventionen steckt. Vor allem dann, wenn die jeweiligen Konventionen eindeutig überholt sind und für die jeweilige Lebensrealität keine Geltung mehr haben. Und das betrifft auch das westliche Verhältnis von Mann und Frau (zumindest solange man an das westliche Wertesystem glaubt und nicht an die Scharia --- Polemik aus). Und daraus folgt auch zwingend, dass man (sprich: die Gesellschaft) es zu akzeptieren hat, wenn eine Frau sich wuchtige, harte Muskeln antrainiert, weil IHR das gefällt.

Deswegen ist sie aber nicht unweiblich. Hier muss man mal eins klarstellen: Viele extrem hart trainierende Leistungsportlerinnen mit extrem niedrigem Fettanteil (nicht nur Bodybuilderinnen) haben - so habe ich das auch von entsprechenden Athletinnen erklärt bekommen - zeitweise keine oder unregelmäßig auftretende Regelperioden. Das aber normalisiert sich, sobald sich das fordernde Training reduziert und sich der Fetthaushalt normalisiert. Mitunter mag es auch helfen, das ein oder andere Mittelchen abzusetzen (das wiederum gilt nicht nur für Bodybuilderinnen) - ich rede von Empfängnisverhütung, an was habt ihr denn gedacht?

Als Judy Miller diese Super-Guns herzeigte, da war
sie schon Großmutter ...
Und immer wieder werden selbstverständlich auch Bodybuilderinnen Mütter. Die einen nach ihrer Karriere, siehe Bev Francis, siehe Brigita Brezovac mit ihrem wunderhübschen, propperen Töchterchen Lucy. Die anderen sind es schon vor ihrer Karriere. So war es bei der diesseits der Tastatur nach wie vor hochgeschätzten Christa Bauch. Bei Judy Miller. Und ich glaube, das ist so bei Margie Martin und Irene Andersen. Und die anderen mittendurch und zwischendrin.

Etwa die Schottin Lorna Biggam: Sie trainierte während ihrer kompletten Schwangerschaft, sechs Stunden pro Woche  (ohne jegliche Medis), drückte auf der Bank 100 Kilo noch am Tag der Geburt ihres Kindes. Des vierten,wohlgemerkt. Zehn Monate nach der Geburt ihrer Tochter via Kaiserschnitt qualifizierte sie sich für die British Female Bodybuilding Finals.


Frau Biggam im Job


Vier Kinder, dazu beide Eltern im Job - das ist fraglos stressig. Zumal dann, wenn die Mutter auch noch hauptberuflich als Feuerwehrfrau arbeitet und nach wie vor hingebungsvoll trainiert (wie auch ihr Angetrauter).

Oder die Britin Mia Warwick: Die wollte Mutter werden. Also hörte sie auf zu qualmen. Heute ist sie Mutter --- und Bodybuilderin dazu. 


Mia Warwick strahlt mit der Tochter um die Wette.
Wie's kommt? Sie haben vor allem einer Person vertraut - sich selber.
 
Extrem, mag man sagen. Aber das gilt für jede Art von Leistungssport. Und überhaupt für alles, was außerhalb der vom Mainstream gesellschaftlich "definierten" Normen liegt. Aber solange sie, ihr Männe und ihre Kinder glücklich und gesund sind, so lange geht es auch niemanden etwas an, ob sie nun - ich spinne jetzt mal - vor oder nach dem Stillen noch schnell einen Bizeps-Supersatz macht.

Zumal die Kinder von Mia Warwick und Lorna Biggam wohl außerordentlich stolz auf ihre Mütter zu sein scheinen, wenn man dem Internet mal glauben schenken darf. Denn ansonsten wird es in den Familien wohl zugehen wie in allen anderen auch.

Also sortiere man den Großteil dessen, was man zum Thema Weiblichkeit von Muskelmaedels hört, dorthin, wo es hin gehört. Und übrigens: Das Aussortieren überholter Ansichten betrifft dann auch den Themenbereich der Schwangerschaft - vorbei die Zeiten, in denen man den werdenden Müttern immer nur Schonung empfohlen hat ...  

Die Familie Biggam
 

NACHTRAG, 28. Juli 2016:



Das Foto habe ich gerade stibitzt - ich hoffe, liebe Brigita, dass das okay ist: Ich finde es einfach nur herrlich - da ist die Mama beim Training, die kleine Tochter natürlich auch, und alle im Studio sind begeistert. Vielleicht zeigt das Bild einfach nur, dass unsere Muskelmaedels viel mehr sind als nur Muskelmaedels. Und sicher nicht das, was sich die ein Klischee nach dem anderen bemühende öffentliche Meinung dazu einbildet.

     

Samstag, 27. Januar 2007

Muskelmaedels und ihre Karrieren ... danach

Hier mal ganz unsortiert das, was einige Muskelmaedels nach ihrer Karriere als Profi-FBB so tun (beinahe hätte ich «treiben» geschrieben, was in dem ein oder anderen Fall ja auch nicht ganz unwahr wäre). Doch zeigt schon dieser kurze Blick auf einige der Damen, dass sie wie immer im Leben bei näherem Hinsehen fast alle das haben, was man «Schicksal» nennt:
Heidi Miller aus Kalifornien gewann 1981 den Titel der Ms Natural America. Sie sitzt derzeit im Vorstand der American Heart Association, der «Childrens' Bureau Foundation» und der «Pat McCormick's Educational Foundation».

Francisca Petitjean war eine französische Bodybuilderin. Die Blondine poste schon oben ohne während der Filmfestspiele von Cannes am Strand, wo die Papparazzi ja traditionell Hatz auf neue Starlets machen. Und seit ihrem Rückzug aus dem Wettkampfsport beteiligte sie sich an dem, was man vornehm als »Erwachsenen-Filme« bezeichnen könnte, solche von der Sorte, wie sie das bekannte Unternehmen aus Flensburg vertreibt. Ihre Künsternamen sind Mara Maresco und Francesca Rosa.
Valentina Chepiga beteiligte sich von 1993 bis 2004 an mehreren Wettkämpfen. 1962 in der Ukraine geboren und ausgebildete Technikerin und Ingenieurin, lebt sie heute verheiratet als Personal Trainer in Seattle, Washington.

Beverly „Bev“ Francis war wohl DAS Muskelmaedel aus den 1980er Jahren. Geboren 1955 in Australien, absolvierte sie zuerst eine Karriere als Leichtathletin und brachte ees unter der Leitung des Österreichers Franz Stampfl auch zu einem nationalen Rekord, ehe sie sich dem Kraftsport und dem Bodybuilding zuwandte. Dabei durchlief sie mehrere bemerkenswerte Wandlungen. zuerst hypermuskulös ohne jede Rücksicht auf das, was gemeinhin als weibliches Äußeres gilt, dann begann sie auf ihren Look zu amerikanisieren (sprich: symmetrischere, zierlichere Muskeln und ein an der Nase operiertes Gesicht sowie blondiertes Haar), um dann zum Schluß doch noch einmal mit gewaltiger Masse auf der Bühne zu stehen.

Mehr als jede andere löste sie die Debatte über das Thema «wie viele Muskeln darf eine Frau haben, um noch eine Frau zu sein?» aus. Dass davon viel schlichter Quatsch ist, zeigt der Umstand, dass Bev Francis heute eine verheiratete Mutter von zwei Töchtern ist. Sie betreibt in Syosset, NJ, ihr eigenes Studio, das Bev Francis Powerhouse Gym und ist IFBB-Kampfrichterin.

Shelley Beattie war eine der in meinen Augen schönsten Bodybuilderinnen überhaupt. Die studierte Psychologin und Erzieherin hat zudem eine übers FBB hinaus gehende und von der Norm abweichende Sport-Karriere absolviert. Die begeisterte und erfahrene Seglerin beteiligte sich als sogenannter «grinder» beim Bedienen des ersten nur von Frauen «bemannten» Bootes beim America’s Cup.

All das ist insofern besonders bemerkenswert, da die Dame wohl an manischen Depressionen leidet und so gut wie taub ist und daher auf der Bühne in den Pflichtposenrunden via Augenkontakt Anweisungen erhielt. Übrigens: Hörprobleme hat wohl auch Lou Ferrigno, vielen Leuten meines Alters noch bestens bekannt als «The incredible Hulk».




Hier der mächtige Bizeps von Rachel McLish,
zu sehen in Die Asse der stählernen Adler



Rachel McLish (geboren 1957) war fraglos mein erster Muskelmaedel-Schwarm – stark und dazu schön und sehr sexy, kein Wunder bei dem indianischen Äußeren, diesen schwarzen Augen und dem enormen Lachen, das sie an den Tag legen konnte (und wahrscheinlich noch kann). Dass die Texanerin was auf dem Kasten hat, zeigte die studierte Dame mit mehreren Büchern, die es zu Beststellehren brachten. Ein neues soll 2007 rauskommen. Geschauspielert hat sie auch schon, in «Asse der stählernen Adler III» mit Lou Gossett und Horst Buchholz sowie in «Ravenhawk». Die These sei aber gewagt, dass sie diese Rollen auch deswegen bekommen hat, weil sie mit dem Produzenten der Filme, Ron Samuels, verehelicht ist.

off topic dies: Samuels wiederum mag wohl auch Hyper-Frauen – er vertrat Lindsay Wagner, die Hauptdarstellerin in der TV-Serie «Die Sieben Millionen Dollar Frau», (die übernatürliche Kräfte hatte) und von Lynda Carter, bekannt als «Wonder Woman« - davon soll ja Produzent + Regisseur Joss Whedon eine Kinofassung vorbereiten, aber die Gerüchte laufen schon seit Monaten um, unter anderem wurde auch Jessica Biel für die Hauptrolle genannt.




Gayle Moher aus England, einst eine bildschön und sehr symmetrische Bodybuilderin, lebt heute in Scottsdale, AZ. Sie arbeitet da unter anderem auch als Fuß-Fetisch-Modell (Klick ...). Irgendwie sind es doch immer wieder die Engländer, die ein Faible für alle Arten von Spleen haben, auch für sexuell orientierten. Irgendwie finde ich das ja richtig sympathisch.
Außerdem hat Gayle Moher wohl einiges an ihrem Leib tunen lassen – ihre Oberweite auf einigen Fotos wirkt inzwischen schon regelrecht Dolly-Parton-verdächtig.
Dolly Parton? Wer das ist? Nun, definitiv kein Muskelmaedel ...

Nicole Bass, mit über einsachtzig früher eine der größten und angesichts ihrer Muskelmasse auch fraglos imposantesten Bodybuilderinnen der Welt, sah sich wie kaum eine andere zum Teil deftig unter die Gürtellinie gehenden Verdächtigungen ausgesetzt: Ihr markantes Gesicht, die tiefe Stimme sorgten dafrür, dass der für sein rabiates und extrem provokantes Auftreten bekannte, amerikanische Radiomederator Howard Stern öffentlich vermutete, sie sei realiter ein umoperierter Kerl. Mehrere DNA-Tests bewiesen das Gegenteil.

Dafür aber verlor Nicole Bass einen Prozess gegen die auf Geschäfte rund ums Catchen spezialisierte Firma World Wrestling Entertainment (WWE) – Nicole Bass hatte angegeben, sie sei hinter der Bühne sexuell belästigt worden. (Das muss man sich mal vorstellen – ketzerisch sei gefragt, welcher Mann gegen diese starke Muskelmaedel eine Chance hätte- man stelle sich vor, sie steht mit ddrohender Miene vor einem und beginnt zwecks Einschüchterung erst einmal zu flexen ...)

Ach ja: Sie hat auch in einigen Hardcore-Filmen mitgespielt, freilich nicht «aktiv» in dem Sinne, sondern als das, was sie körperlich auch darstellt - nämlich als sehr dominante Muskelfrau.