Sonntag, Februar 05, 2017

Jede Menge Kohle - soll man ein Muskelmaedel mit Geld unterstützen?





Neulich habe ich in meinem Mail-Eingang eine Zuschrift gefunden, die ich später noch beantworten wollte, aber wohl aufgrund der mir eigenen Schusseligkeit unbeabsichtigt gelöscht habe. Also: Es geht darum, dass ein Leser von mir Folgendes wissen wollte: Er sei in (ich vermute) Mail- oder Skype-Kontakt zu einem Muskelmaedel in Übersee. Nun habe diese Dame ihn um Unterstützung gebeten, für "supplements" und dergleichen. Jetzt wollte der Leser von mir wissen, ob ich an seiner Stelle unterstützend tätig werden, sprich: Geld überweisen würde. Und ob ich so was schon getan hätte.

Normalerweise gebe ich, mattmuscle von muskelmaedels.blogspot.de, zu solchen Fragen keine Auskunft, da es private Aspekte berührt, die meiner Ansicht nach auch so bleiben sollten. Also, das Folgende daher ausnahmsweise, aber ohne Namensnennung: Ich habe schon Geld überwiesen --- aber nicht an eine mir wildfremde Person, sondern an ein Muskelmaedel, das ich mehrfach getroffen und schätzen gelernt habe und das sich seinerzeit in einer nachweislichen und schlimmen finanziellen Klemme befand. Und mit diesem Freundschaftsdienst hat es sich auch schon.


Das Ganze, also die auch immer wieder im Web zu findenden Anfragen von FBB nach Geld, geht leider sehr viel tiefer, hat es doch mit dem Bodybuilding-Lebensstil als solches zu tun. Denn der ist nun einmal enorm teuer. Und bringt den Wettkampf-Athletinnen nur allzuoft außer etwas Ruhm grad gar nichts ein. Das zeigt der Blick auf die nachgerade lächerlichen Preisgelder bei Wettkämpfen, mit denen man da die euphemistisch als "Profis" kategorisierten Sportlerinnen abspeist (wobei es bei den Männern noch deutlich besser ist). 


Den eigentlichen Reibach machen die Veranstalter, die Fotografen, die draußen vor der Tür (ha - ich liebe literarische Assoziationen!) ihre Bilder und CDs anbieten, die Leute, die mit Kleidung, Schuhen und Nahrungsergänzungsmitteln handeln. Kurz, alle drumherum, nur eben die Athletinnen nicht. Wollte ich es sehr ketzerisch sagen. dann mal maritim: Es sind die Parasitenfische, die gut leben, während für den sie alle ernährenden Blauwal nur sehr wenig übrig bleibt.
   
Nun wollen die Muskelmaedels aber ihr Ziel erreichen, ihr Ziel des nach ihren Vorstellungen geformten muskulösen, vielleicht auch sexy-muskulösen Körpers. Dessen Form möchten sie dann auch im sportlichen Wettkampf mit anderen vergleichen. Und für das Vorhaben brauchen die Maedels trainings- und vorbereitungshalber verfügbare Zeit und zum Finanzieren eben derselben Geld. Längst nicht jede avanciert zum gefragten Bodybuilding-Model, das Titelbilder ziert, als Werbeträgerin im Sportumfeld und auch darüberhinaus zum Beispiel für Events verpflichtet wird oder mit eigenen Fotos und Filmen genug Geld zum Lebensunterhalt macht. 

Einigen gelingt es, sich als Trainerin, Physiotherapeutin, Gym-Managerin oder ähnliches zu etablieren und so das berufliche Umfeld halbwegs oder ganz ideal für das eigene sportliche Fortkommen einsetzen zu könen. (Wobei der Betrieb eines eigenen Unternehmens erfahrungsgemäß so viel Elan fürs Wirtschaftlich-Marketingmäßige fordert, dass die Zeit und die Energie fürs Training und die Vorbereitung dann doch wieder fehlen - man kann's drehen und wenden, wie man will: Nach 24 Stunden ist so ein Tag nun mal alle.) 


Um nun den Faden wieder aufzunehmen: Viele Maedels stehen vor der Frage, wie sie ihren BB-Lebensstil bezahlen sollen. Und das führt dann zu mitunter sehr kreativen Methoden der Mittelorganisation: Die älteren Fans erinnern sich noch gut an die FBB, die per Kleinanzeigen in diversen Zeitschriften und später auch im Web signierte Fotos verkauft haben. Im Lauf der Zeit kamen dann Videos und DVDs hinzu. Die konnte man sich auch nur dehalb angucken, weil die Bodies mitunter sensationell waren- Filmisch-dramaturgisch-dokumentarisch-kamera-/tontechnisch waren diese Werke leider meistens unterirdisch. Weswegen der pekuniäre Input durch so etwas auch meist eher mäßig ausfiel.

Bleibt also als potentieller Geldgeber der Fan, szene-intern auch despektierlich als "Schmoe" bekannt. Jemand, dessen Interesse sich zwischen Faible und Fetisch bewegt, der muskulöse, kraftvolle Frauen regelrecht anbetet, der nichts lieber tut, als starke Muskeln an einer Frau zu bewundern, der sich infolge des Anblicks ihrer weit ausladenden Rückenpartie, ihrer ultrabreiten Schultern und ihrer steinharten, hoch aufragenden Bizeps-Muckis vorkommt wie in einem jegliche Erwartung sprengenden Pharma-Versuch für ein neues, revolutionäres Potenzmittel ...  


Was also liegt näher, als diese Quelle anzuzapfen? Dazu haben wir die Sessions**. Hierbei kann der geneigte Fan ein Muskelmaedel seiner Wahl zu vorher verabredetem Tun treffen. Sei es nun zu einem gemeinsamem Ausgehen, zu Abendessen, Gespräch und Trainingstipps, zum Fotografieren und Filmen, zu Muscle Worship, Einölen des Bodies, Rumbalgen und Armdrücken, aber auch zu Dominiert-Werden oder richtig wettkampfmäßigem Kräftemessen und was weiß ich alles noch.

Man könnte also auch sagen: Mu$cle Wor$hip $e$$ion.

Und das ist nicht abwertend gemeint, sondern so, wie es ist: Diese Bodys kosten viel - bitte das wörtlich zu nehmen: Sie erfordern nicht nur die für die Trainingsschinderei und das disziplinierte Essen unumgängliche Hingabe, sondern eben auch reichlich Geld. Und das muss ja von irgendwoher zufließen.

Allerdings kommt manch eine dabei dann auch ein bisserl vom Weg ab und landet in den nach wie vor ominös-anrüchigen Gefilden der beiden P-Wörter, die mit "rostitution" und "ornographie" aufhören. Das aber betrifft nicht nur eh schon der Halbwelt verbundene Maedels, sondern auch solche, bei denen man das nicht erwarten würde. 


Begreiflich, dass das unterm Strich nicht förderlich ist fürs Image der Sportart an sich. Hier liegt auch einer der Gründe, warum sich die Verbände mit dem FBB und seinem Umfeld schwertun und mit sanftem Druck auf ihre Athletinnen dieses Session-Tun zu verhindern trachten.Wobei das aber auch großteils Heuchlerei ist: Es gibt gerade im Umfeld der BB-Verbände Leute, die gut verdienen, ja, die sogar Millionen gescheffelt haben - würde man die Spitzenathletinnen mindestens durch anständige Preisgelder, idealerweise durch eine monatliche Pauschale entsprechend monetär etwas weicher betten, wäre vielen der finanziell bedingte Zwang zu moralisch anstößigem Tun genommen.   

Denn es mag niemand glauben, dass die Ladies das mit solchen Sessions verbundene Ungemach nur deshalb ertragen, weil die Schmoes alle so schöne nussbaumbraune, glasgrüne oder wasserblaue Augen haben. Man bedenke einmal die Umstände des Dauer-Wartens am Flughafen. Des zu Spitzenzeiten mehrfachen täglichen Koffer-Ein- und Auspackens. Des dann ebenfalls mehfachen täglichen ins-Hotel-Ein- und-Auscheckens sowie der Fahrt in wieder eine andere Stadt. Ganz abgesehen davon, dass das Muskelmaedel vorher oft nicht weiß, was da womöglich für ein Hammerwerfer zu Tür hereinkommt - ungepflegt, rüde im Umgang, angetrunken oder von vornherein willens, die FBB um das vereinbarte Salär zu prellen, wie ich auch schon zu hören bekam. 

Nö, da geht es den Muskelmaedels vor allem einmal darum, Geld zu verdienen, das dann wieder in die Wettkampfvorbereitung oder einfach nur in den Erhalt der Form gesteckt werden kann. Das mag zwar manchem Romantiker nicht passen. Aber so ist sieht's nun mal aus. Zweitrangig ist da ein eventueller Genuss, den das jeweilige Muskelmaedel beim Eingeölt-Werden, Rumbalgen, Kerle-Dominieren oder auch beim Treff mit dem ein oder anderen sympathischen Fan empfinden mag. Oder einfach dadurch, wie sehr ihr in dem Moment geschmeichelt wird --- und Komplimente, nun, die nimmt jede Frau gern entgegen. 
 

Angenehm oder nicht, es steht da der Zwang zum Kohlemachen ganz oben. Und der führt nun zu der eingangs genannten Leserfrage: Es gibt Bodybuilderinnen, die von finanzieller Zuwendung leben. Die also auf Privat-Sponsoring setzen und daher auch beim Kontakt mit Fans um deren Mäzenatentum werben. 

Nun, wir leben alle in einer Welt des "Do ut des", des Prinzips, dass Leistung Gegenleistung fordert. Was also bekomme ich, wenn ich Geld gebe? Die Antwort mag ernüchtern: Oft muss man sich mit einem "Danke!" bescheiden. Das aber fällt je nach Charakter und Art der Beziehung unterschiedlich aus: Ich habe von Leuten gelesen, die nur aufgrund der herzlichen, positiven Reaktion der Betroffenen und auch regelmäßiger Kontaktpflege gesagt haben, das sei Lohn genug gewesen. Manches Muskelmaedel räumt den Sponsoren auch verbesserte Konditionen bei Sessions jedweden Typs ein. Und hier und da mag auch so etwas wie eine Freundschaft entstehen.

Aber mancher beklagt auch, dass ihm noch nicht einmal eine halbherzige Danksagung zugekommen ist.
 
Wer also hier spenden will, möge sich vorher überlegen, an was für eine Gegenleistung er das knüpfen will. Falls überhaupt: Das Kennzeichen solchen Spendentums ist nun einmal seit jeher der Altruismus, sprich: Man gibt aus idealistischen Gründen heraus. Und da kann man sich als spendender Fan immerhin die Genugtuung des Wissens leisten, dass die ein oder andere Athletin auch dank des eigenen Session-Obulusses oder der jeweiligen Zuwendung nun auf der Wettkampfbühne stehen kann.

Wem das nun nicht genug ist --- hm, hm. Denn ein Gutteil des Frustes bei solchen Transaktionen liegt nun einmal präzise in dem Umstand, dass man sich über die Art der Gegenleistung nicht klar ist. Und dass mancher - es sei klar heraus gesagt - von der Empfängerin ein zu hohes Maß an Kontakt erwartet (wobei das Wort "Kontakt" hier vor allem das Emotionale bezeichnet). Hingegen verfestigt sich bei dem Muskelmaedel der Eindruck, als ob sich hier jemand in ihr Leben dränge.
 


Was nun dem Leser raten? Erscheint einem das alles zu viel, hat man etwas Angst vor den Konsequenzen und vielleicht auch das Gefühl, dass da noch nicht enden wollende Neuforderungen hinzu kommen - dann: nein respektive stopp. Hat man aber all das für sich klar im Kopf und schafft es, die entsprechenden Konditionen abzusprechen und einzuhalten oder die Unterstützung gar aus schierer Begeisterung heraus zu leisten, dann kann und soll man natürlich auch einer Muskel-Athletin als Privatsponsor helfen.

It's up to you!


Wobei man da aber gucken sollte, dass man sich selber finanzielle Grenzen setzt. Ich habe es in anderen Sportarten schon erlebt, dass da ein entsprechend über die vernünftige Gebühr hinaus begeisterter Mäzen im Wortsinne Haus und Hof investiert hat und nachher mittellos da stand ...


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**Sessions: Als jemand, der beruflich - salopp gesagt - sauviel und zunehmend mehr zu tun hat, ist es meistens nicht leicht, solche Treffen lange vorab zu planen. Ich habe meine bisherigen Besuche fast immer recht spontan und kurzfristig organisieren können. Doch das wird nunmehr erschwert - durch die immer häufiger anzutreffende Forderung "deposit required". Das heißt nichts anderes, als dass man vorab eine Anzahlung tätigen muss.

Natürlich kann ich verstehen, dass die Muskelmaedels zu diesem Mittel greifen, wenn sie beispielsweise einen kostspieligen Flug hinter sich haben, in einem ebenfalls nicht für umsonst zu habenden Hotelzimmer sitzen und dann ein verbindlich angekündigter Kunde nach dem anderen abspringt, weil vielleicht das Wetter oder die Verkehrslage die Anfahrt arg erschweren.


Aber hier würde ich für eine differenziertere Vorgehensweise plädieren: Es gibt einen Grundpreis für eine Session. Den zahlt, wer vorher per Anzahlung sein Kommen bestätigt und dadurch das geschäftliche Risiko der Damen mindert. Wer das nicht so langfristig planen kann und dennoch "sein" Muskelmaedel treffen will, der muss halt einen Risiko-Zuschlag vergewärtigen.

Wobei man es hier nicht übertreiben sollte. Nur ein Mini-Bruchteil der Fans dürfte zur Klasse der Millionäre gehören, wie ihn Kati Arnoldis Szene-Roman "Chemical Pink" darstellt: Ist der Zuschlag (und auch die Session Fee) zu hoch, bleiben die Fans weg. Auch ganz einfach.

Und werde ich dennoch wieder hingehen? Also, das darf und kann sich ja jetzt jeder selber ausmalen, oder?