Sonntag, Februar 01, 2009

Muscle Lady from New York


Tolle Bizeps, nicht wahr, auch wenn zwischen dem Foto mit der Dame in Wettkampfverfassung und den beiden anderen doch einiges an Zeit zu liegen scheint? Das ist auch wenig verwunderlich. Denn wer diese Musclelady nicht kennt und etwa ihr Alter anhand dieser Fotos einzuschätzen versucht, der dürfte komplett daneben liegen.

Also: Es handelt sich um Linda Wood-Hoyte, die am 5. Januar dieses Jahres ihren sechsundsechzigsten Geburtstag gefeiert hat. Doch, richtig gelesen und kein Tippfehler meinerseits: Diese Dame ist stolze sechsundsechzig Jahre alt.

Ich hör schon die üblichen Verdächtigen unken: "So alt und dann so ein Gesicht. Geht doch nur mit Chirurgie!" Mag sein - aber: so f****ing what? Das tat und tut es ja schließlich auch bei Stars und Sternchen seit Rita Hayworth und Marylin Monroe bis heute zu Nicole Kidman und bei unzähligen nicht-berühmten Damen.

Ja, selbst Männer lassen liften und botoxen und peelen, man denke nur einmal an chirurgische "Großtaten" wie Mickey Rourke oder Burt Reynolds. Will sagen: Selbst ohne diese bei reichen US-Großstädterinnen (zu denen Linda Wood-Hoyte als erfolgreiche Managerin mit vier Jahrzehnten Berufserfahrung wohl gehört) anscheinend üblichen Eingriffe wäre das "Gesichts-Rohmaterial" aus Sicht eines Mitteleuropäers wohl immer noch sehr attraktiv.

Doch viel, viel wichtiger erscheint mir die atemberaubende Physis dieser Dame. Und wenn ich in zirka zwei Jahrzehnten auch nur eine halbwegs dem entsprechende körperliche Verfassung hätte, dann werde ich mich "von" schreiben. Da bin ich ja schon im Moment meilenweit davon entfernt (Motto: "Sixpack" war gestern, heute geht der Trend zu "Singlebarrel" :-;)

Linda Wood-Hoyte ist nun auch alles andere als eine Anfängerin im Bodybuilding; sie trainiert seit 1982 (wenn ich mich richtig erinnere: im Gym von Bev Francis in New York), in ihrer Jugend hat wie Leichtahthletik und Tanz betrieben. Zum BB kam sie dann im zarten Alter von neunundreißig Jahren. Zudem gehört sie wohl zu den erfahrenen Kampfrichterinnen ihrer Sportart, zuletzt bei der World Universe in Spanien. Zudem berät sie Nachwuchs-Bodybuilderinnen bei der Karriereplanung. Und wegen all ihrer Verdienste und ihres sportlichen Könnens erhielt sie 2004 den IFBB-Profi-Status - mit einundsechzig. Außer Training und Judging hat sie wohl auch zeitweilig Kolumnen verfasst, unter anderem für die längst eingestellte Zeitschrift "Female Bodybuilding", die es in den 1980er und 1990er Jahren gab.

Schon damals war sie die Vorzeigeathletin in sozusagen vorgerücktem Alter, weil FBB jenseits der Fünfzig damals noch kaum wirklich erschienen. Heute hingegen ist das zwar noch nicht gerade die Norm, wohl aber doch ein klarer Trend. Ich wiederhole mich da gern einmal: Muskelmaedels jenseits der Vierzig dominieren klar das "Hardcore"-Feld, und im Vergleich zu anderen Sportarten gibt es nicht wenige, ja eigentliche überraschend viele FBB, welche die Fünfzig überschritten haben. Und mitunter sind sie da erst in ihrer Spitzenform, siehe Betty Pariso, siehe Christa Bauch, siehe Robin Parker und siehe eben Linda Wood Hoyte.

Wobei mich das auch zur Frage des "Wieso" bringt. Fehlt der Nachwuchs, weil der sich nicht mehr schinden und quälen will? Wohl kaum, sonst gäbe es weder eine Alina Popa noch eine Rahel Ruch oder eine Brigita Brezovac. Aber: Kann es sein, dass diese Entwicklung zur "Leistungsspitze erst im mittleren Alter" nicht nur belegt, dass BB etwas ist, das man wie Fußball, Eisschnellauf oder Leichtathletik eben nicht nur in der Jugend betreibt? Sondern dass das unter Umständen an der ominösen "20-Prozent-Regel" liegt, mit der man um 2005 herum den Athletinnen ein fünftel weniger Muckis verordnen wollte?

Wobei das heuchlerisch und geschlechterdiskriminierend ist - eine Frage ist: Wie misst man das? Eine "ab Werk" massigere Frau hat da sicher Nachteile gegenüber einer, die von ihrer Genetik her nun mal schlanker und zierlicher gebaut ist (Verglichen etwa mit Rachel McLish kämen etwa eine Daniela Sell oder eine Colette Nelson oder eine Karla Nelsen nicht ins Rampenlicht der Bühne).

Und überhaupt: Den Männern wurde das nicht verordnet. Und die sind im letzten Vierteljahrhundert gewiss nicht weniger massig geworden als die Frauen - ein ehedem als Ideal eines symmetrisch-eleganten Bodybuilders gefeierter Frank Zane käme heute ebenfalls nicht mehr auf die Bühne.

In breve: Man (= der Verband) will auch in diesem Sport tradierte (sprich: amerikanische, durchs TV und andere Klischee-Produzenten geprägte) Geschlechterrollen zementieren: Mann stark, Frau zierlich. Warum? Es geht um Knete, so simpel sieht das aus. Dabei glaubt man offensichtlich und eigentlich nicht an den Athleten an sich und dessen Vorstellung der ganzen Sache ... aber ich schweife ab, denn das ist ja nun klar ein anderes Thema.

Eigentlich wollte ich hier ja nur auf die beispielgebende Linda Wood-Hoyte aufmerksam gemacht haben, denn die zeigt: Es geht IMMER, wenn man nur will. Und last but not least sei auf ihre Website verwiesen - man klicke
jetzt und hier.

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