Mittwoch, 13. September 2017

Muskelmaedels: Fetisch und Gewalt?


Schmoe dort, wo's ihm am besten gefällt:
Ist alles das bloß harmloses Fetisch-Spiel,
oder auch eine Sache der Gewalt?

Zugegeben, auch ich fantasiere im Zusammenhang mit meinem Muskelmaedel-Spleen davon, von exakt solchen starken Maedels dominiert zu werden.

Will heißen: Beim Balgen mit ihr von ihr besiegt (wirklich besiegt), chancenlos zu sein, während sie sich rittlings auf mich schwingt und mich so am Boden fixiert, meine Handgelenke mit einer Hand haltend und mit der anderen tuend, was sie will


– meine Kehle in ihrem Schwitzkasten, ihr harter Bizeps an meinem Kehlkopf, ihre Beine um meinen Rumpf geschlungen und gespannt, ihr warmer, praller, starker Po auf mir drauf, mitunter gar satt auf dem Gesicht – 

und dazu Bemerkungen ihrerseits, bei denen es nur darum geht, sich an meiner Angst zu weiden, was sie wohl mit mir tun wird, mich zu verspotten und mich dazu zu bringen, ihre Muskeln zu bewundern und ihre Überlegenheit anzuerkennen

während mich eben diese Angst vor dem, was sie wohl tun wird, ebenso erregt wie beschämt, weil ihr genau das natürlich nicht entgeht: ach ja.

Kann es für Schmoes etwas Schöneres geben?

Noch ein Schmoe im Paradies, da definitiv völlig hilflos
in der Gewalt dieses bekannten Muskelmaedels: Fragt
sich, um wessen Phantasien es hier geht und wieso FBB so
gern unterschwellig mit Gewalt assoziiert werden.

Hm. Es gibt da in den Weiten der Internet-Welt den äußerst aktiven, sachkundigen und schreibfreudigen FBB-Fan Ryan Takahashi, dem ein oder anderen bekannt durch seinen engagierten Blog „The Adventures of RyanTakahashi“. Und ebenda führt er aus, warum er etwas wie das gerade von mir geschilderte Szenario zwar nicht für inhärent falsch oder gar für skandalös hält, solange die Beteiligten dabei Spaß haben, es in gegenseitigem Einverständnis tun und miteinander reden. All das sei nicht unethisch oder überraschend, aber er fühle sich dabei unwohl. 


Unwohl? Als Fan von Muskelmaedels? Wieso das denn?

Nun, er wählt für sein langes Posting den Titel: “Drück mich runter, ringe mich nieder, missbrauche mich, dominiere mich: Die beunruhigende Assoziation von Bodybuilderinnen mit Gewalt“. Darin erklärt er: “I am a bit uncomfortable with the close association of female muscle fetishism with violence. Any decent human being should abhor violence in any form. We live in a particularly violent world filled with shootings, riots, terrorism, war, political repression, rape, abuse, genocide, and a whole host of other unspeakable acts of brutality. I’d like to think we live in a more peaceful world today than our ancestors did hundreds of years ago, but it only takes reading the news for five minutes to have that belief shaken to its core. This is why the mixing of sex with violence should make any free thinking person squirm a little.”

Auf Deutsch: „Ich fühle mich ein bisschen unwohl mit der engen Assoziation des Muskelfrauen-Fetischs mit Gewalt. Jeder vernünftige Mensch sollte Gewalt in jeder Form ablehnen. Wer leben in einer besonders gewalttätigen Welt voller Schießereien, Aufstände, Terrorismus, Krieg, politischer Unterdrückung, Vergewaltigung, Missbrauch, Völkermord und einer ganzen Menge anderer unaussprechlicher Akte der Brutalität. Ich würde annehmen wollen, dass wir heute in einer friedlicheren Welt leben, als unser Vorfahren das vor Hunderten von Jahren getan haben, aber es reicht, fünf Minuten lang Nachrichten zu lesen, um diese Annahme in ihrem Kern zu erschüttern. Deshalb sollte sich jede freidenkende Person angesichts des Vermischens von Sex und Gewalt ein klein wenig winden.“

Und jetzt, Kleiner? Was willst du gegen mich tun, gegen
meine Supermuckis? Ich zeig' dir,  was eine starke
Frau mit einem Wicht wie dir macht -- das sind Szenarios,
von denen mancher FBB-Fan träumt: Gewalt und Sex.

Ryan Takahashi ist nun jemand, der solche Gedanken nicht einfach so in die Welt posaunt, sondern der versucht, sie bis ans Ende zu durchdenken. Und weltfern ist er auch nicht, er fragt also, warum Sex diese „unvermeidliche“ Gewaltkomponente hat. Natürlich verweist er darauf, dass die Kritiker davon anführen, dass „BDSM“ (früher hierzulande bekannt als „Sado-Maso“) fröhliche Urständ in der Popkultur feiere und so manchem entsprechend veranlagten Gewalt-/Triebtäter in spe die Rechtfertigung für solche Untaten liefere
„ich kann nicht sagen, wie fundiert diese Bedenken sind, aber sie sind es definitiv wert, bedacht zu werden. Wie kann man solch einen Rückschlag nicht fürchten?“

Er geht dann ein auf den guten alten James Bond und seine zwei Lieblingsbeschäftigungen, hier in meinen leicht sarkastischen Worten dargestellt: Frauen flach- und Bösewichter umlegen. Präziser noch: Dafür, dass er letzteres tut, wird er dann mit ersterem belohnt, um es mal, so Takahashi, aus feministischer Sicht darzustellen.

Er verweist dann noch einmal auf die Allgegenwärtigkeit des „Gewalt und Sex“-Motivs in allem von Literatur über TV bis hin zu Folklore und Religion. Das sei so allgegenwärtig, dass man es gar nicht mehr als solches wahrnimmt. Und das Motiv sei „tief verankert in der Welt des Muskelfrauen-Fetischs. Natürlich spreche ich eher vom Fantasieaspekt des Fetischs. In keiner Weise sind Bodybuilderinnen durch Form oder Figur inhärent aggressiver als nicht-muskulöse Frauen. Aber vielleicht existiert in der Vorstellungswelt von manchen von uns der Glaube – oder der Wunsch – dies sei irgendwie so. Oder dass wir es für wahr halten WOLLEN, weil es einen Teil unserer tief sitzenden Abartigkeit kitzelt.“

Harter Stoff, oder?
Aber scharfsichtig beobachtet.
Es geht noch weiter.

Kampf der Geschlechter mal anders herum ...

Takahashi verweist nämlich darauf, dass die allgemeine Ablehnung von Frauenmuskel-Liebhabern seitens der Gesellschaft daher rühre, wie dieser Fetisch ausgelebt werde. Eben dieses sorge für ein Unwohlsein, vielleicht, weil man sich von der unterschwellig mitschwingenden Gewalt abgestoßen fühle. Zumal ja jeder den allgegenwärtigen „Kampf der Geschlechter“ kenne, die Spannungen, die sich aus der Dynamik des Zusammenlebens von Mann und Frau ergeben und die eben auch zu Zwist, häuslicher Gewalt und Kämpfen zwischen Eheleuten führen. Und dazu, wie das gesellschaftlich mehr oder minder verdrängt werde. Natürlich ist das etwas, mit dem der Mensch wohl wird leben müssen. Was es nicht besser macht oder gar dafür sorgt, dass es aufhört.

Genau hier läge der wunde Punkt bei BDSM: Wie kann man, verkürzt und aus außenstehender Sicht gesagt, Gewalt verteidigen? Und, so Takahashi, er habe lange erklären müssen, wie man nichts mit BDSM zu tun habe, aber immer noch auf Bodybuilderinnen stehen könne. Denn für viele sei beides miteinander verwoben.

Takahashi: „Lots of guys love it when a female bodybuilder wrestles them into submission. Or pins them to the ground and holds them there against their will. Or verbally abuses them. Or smacks them with a paddle. Or “forces” them to do things upon command. This dominant/subordinate relationship carries the underlying theme of violence to its literal interpretation. However, because it’s all “fun and games,” it’s not really violence, is it?
Well, no. But yes. Uh, maybe both?
The relationship between a muscular woman and a normal-sized man can be jarring. It’s unusual. It flies in the face of social norms. We don’t expect to ever see such a sight. It challenges our notions of gender roles. It forces us to ask ourselves questions that we’d rather not contemplate.
Are women the weaker sex and men the stronger sex? Well, most of the time. But not all of the time. What does that mean? And how do we proceed going forward? Is an FBB more than just a woman, or is she just a “normal” woman with an abnormal physique? And is this man really a man, or an emasculated man? Wow, this is bonkers!”

Starke Frau demonstriert schwachem Mann
ihre Kraft - Traumszenario vieler Schmoes, natürlich
mit spielerischer Gewalt behaftet. Schlimm?

Auf Deutsch: “Viele Kerle mögen es, wenn eine Bodybuilderin sie bis zur Aufgabe niederringt. Oder sie zu Boden drückt und sie da gegen ihren Willen hält. Oder sie verbal missbraucht. Oder sie mit dem Paddel verhaut. Oder sie „zwingt“, Dinge auf Befehl zu tun. Diese dominante/untergebene Beziehung bringt das unterschwellige Gewaltthema zu seiner buchstäblichen Umsetzung. Weil das aber alles ‚Spiel und Spaß“ ist, ist es nicht tatsächlich Gewalt, oder.

Tja, nein. Aber ja. Oh, vielleicht beides?
Die Beziehung zwischen einer muskulösen Frau und einem normalgroßen Mann kann voller Missklang sein. Sie ist unüblich. Es geht mitten ins Gesicht der gesellschaftlichen Normen. Wir erwarten nicht, so etwas zu sehen. Es fordert unsere Vorstellung der Geschlechterrollen heraus. Es zwingt uns, uns selbst Fragen zu stellen, über die wir lieber nicht nachdenken möchten.
Sind Frauen das schwächere Geschlecht und Männer das stärkere? Nun, meistens, aber nicht immer. Was heißt das? Und wie lässt sich das weiterdenken? Ist eine FBB mehr als nur eine Frau oder ist sie einfach eine ‚normale“ Frau mit einem unnormalen Körperbau? Und ist dieser Mann tatsächlich ein Mann oder ein entmannter Mann? Hey, das ist verrückt!“

Wieder: Starker Stoff!

Alles Dinge, die man nicht wahrnimmt, solange man ein solches Paar in entspannter, ruhiger Atmosphäre bei ganz normalen Tätigkeiten wie Händchenhalten, Busfahren oder dem Besuch einer Kneipe sähe. Aber im Falle eines Konflikts würde man sich sofort über die Dynamik ihrer Beziehung fragen: Was passiert etwa beim Streit über die Restaurantrechnung? Was, wenn sie ihm eine langt, haut er zurück oder nicht? Tut er’s nicht, weil er Angst vor ihr hat oder weil das prinzipiell nicht seine Art der Auseinandersetzung ist? Würde er anders reagieren, wenn sie wie er „normal“ aussähe? Wie kann man’s wissen?

Und so, schreibt Takahashi, würden wir den Anblick einer Bodybuilderin automatisch mit dem Gewaltaspekt verbinden, würden überlegen, wie hart ihr Sexleben wohl beschaffen sein, ob sie dominierend sei, ob sie schwächere Kerle vorziehe oder doch lieber solche so stark wie sie. Ob sie wohl von Natur aus aggressiv ist, ob Männer Angst vor ihr haben? Und was ist mit anderen Frauen? Hat sie Angst vor anderen Leuten und ist deshalb so groß und muskulös? Wurde sie als Kind missbraucht, so dass das Bodybuilding als „Schild“ gegen künftigen Missbrauch dient?

Man denke, so Takahashi, also beim Anblick einer solchen Frau immer im latenten Kontext von Gewalt, Selbstverteidigung und Aggression. Aspekte wie Bewunderung ihrer Schönheit, ihrer eindrucksvollen Stärke und andere Errungenschaft stünden da stets hintan.

Unsere Gehirne können, so das Fazit oder besser Takahashis Schlussthese, Muskelmaedels nicht als „normal“ oder als „nichts Besonderes“ ansehen. „Es MUSS einen Grund dafür geben, warum sie so aussieht. Also MUSS sie eine völlig andere Person sein, nun, da sie so aussieht.“
Angsteinflößend? Sexy? Oder doch beides?
Für mich gilt hier eindeutig: oh - beides!

Er selber habe nun nichts gegen entsprechende Sexualfantasien, solange im gebotenen Rahmen bleibend, auch nicht von den Fans, die etwa solche Unterlegenheitsträume mit einer Alina Popa ausleben wollten. Seine Sache sei das nicht, er würde sich viel lieber ein romantisches Candlelight Dinner mit Miss Popa wünschen.

Okay. Soweit die verkürzte Wiedergabe dieses doch weithin bemerkenswerten Textes. Dazu möchte ich aber eins anmerken – nämlich die Frage nach der in diesem Zusammenhang mir grundsätzlich gebotenen Definition von Gewalt.

Denn Gewalt ist nicht gleich Gewalt. Gewalt ist ebenso wenig nicht immer nur physisch, sondern auch psychisch. Meiner Ansicht nach ist das nämlich exakt das, was wir Menschen von kleinauf lernen. Und ebenso das: Gewalt gehört zu unserem Dasein, in vielfältiger Ausprägung und sozusagen in stufenloser Eskalation.

Sie umgibt uns, auch dort, wo keine Aggressivität von unserer Gattung oder innerhalb davon vorliegt. Im Tierreich, allerorten, um diesen Gemeinplatz zu nennen. Und auch dann, wenn man – Achtung: Klischee! – auf dem Meer versehentlich über Bord fällt und sich bei dem Sturz eine stark blutende Risswunde zuzieht, während gerade lauter hungrige Haie nahebei schwimmen sollten.

Allen pädagogischen Versuchen zum Trotz wenden Kinder untereinander nach wie vor Gewalt an. Sie und ihre Eltern deswegen mit gesellschaftlicher Ächtung und Unverständnis zu sanktionieren, wie derzeit immer wieder zu erleben, ist schlicht falsch, da dieses kindliche Verhalten meiner bescheidenen Ansicht nach eine Entwicklungsstufe hin zum Erwachsensein darstellt.

Was nicht heißt, dass man das Auftreten von kindlicher Gewalt ignorieren sollte. Es geht darum, Gewalt zu kontrollieren und eben dies zu lernen. Alle unsere Gesetze und Regeln, all unser Zusammenleben ist auf diese Kontrolle ausgelegt. Und infolgedessen gibt es auch Gewalt, die allgemein akzeptiert wird – Notwehr ist hier ein Thema, aber auch die je nach Gesellschaftsform mehr oder minder legitime militärische Gewalt oder die Gewalt GEGEN bestimmte gesellschaftliche Ausprägungen.

Natürlich darf und soll sich Aggression auch kanalisieren, unsere Gesellschaftsform sieht in dieser Art von Angriffslust und Durchsetzungsvermögen ja ein wesentliches Merkmal der Leute, die „uns“ voranbringen. Folgerichtig aber auch, dass sich Gewalt auch spielerisch niederschlägt – das tut sie im Sport, das tut sie im Spiel, das tut sie im Sex.

Supermuckis und Frau ...

Nun zur Frage der Muskelmaedels und dem, was bei ihrem Anblick latent mitschwingt, also dem, was Takahashi so präzise beschrieben hat. Dazu möchte ich sagen: Außerordentlich ausgebildete Muskeln waren schon von jeher ein Symbol, ja ein Signal. Nämlich dafür, dass ihr Besitzer besonders viel Kraft haben muss, dass er ein besonders versierter Kämpfer ist, besonders leistungsfähig. Und in sexueller Hinsicht besonders aktiv.

Das sind ebenfalls Konnotationen, die ganz weit zurückgehen bis in die Zeit, in der unsere Vorfahren noch gutteils von der Jagd und vom Kampf lebten. Es gibt heute feministisch geprägte Historiker, die diese uralte Einteilung von Mann und Frau in längst vergangener Zeit so nicht akzeptieren und sagen, dass Frauen sich etwa an Jagd und Kampf beteiligt haben. Zugestanden – nur warum hat die Natur die für diese Tätigkeiten nötigen körperlichen Eigenschaften bei Männern grundsätzlich stärker ausgebildet?

Weil das so ist, hat das auch kulturelle Folgen. Die sich wiederum auch aus anderen Quellen speisen, aber es würde hier zu weit führen, jede Ursache darzustellen. Die Folge, um die es mir hier geht, heißt ganz klar, dass es eine althergebrachte Definition von „männlich“ und von „weiblich“ gibt. Es steckt in uns drin. Und eben auch das klare Erkennen dessen, wenn dagegen verstoßen wird. 

Das aber erleben wir ebenfalls von kleinauf. Mädchen, die sich „wie Jungen“ verhalten, Jungen, die eher passiv sind. Jungen, die Mädchen körperlich unterlegen sind, etwa beim Raufen, beim Dingehochheben oder was weiß ich. Jedenfalls Sachen, die vielleicht auch mal von Erwachsenen gesehen und mit hochgezogenen Augenbrauen und breitem Grinsen kommentiert werden. Wie gesagt: Alles Gewalt, ebenso wie eine herrische oder als bedrückend empfundene Mutter/Großmutter, die aber diesen ihr oft gar nicht bewussten Zug ihres Wesens nicht hat, weil sie ihre Kinder/Enkel dominieren, sondern sie beschützen will.

Was "männlich" und was "weiblich"ist, welches
Geschlecht schwach und welches stark --- aber man
sehe es doch selbst! Und fast kann er einem leid
tun, aber nur fast ... 

Weil aber bei alledem immer auch unterschiedliche Charaktere aufeinandertreffen, lässt sich nie vorher sagen, wer auf was wie reagiert. Der eine hat kein Problem damit, dass er als vielleicht kränkliches Kind regelmäßig beim Balgen auch mit Mädels unten gelegen ist oder lange eine ganz eng um ihn herum fliegende Helikopter-Mama gehabt hat. Der andere hingegen tut sich damit schwer. Und in diesem oder ähnlich gelagertem Gefüge spielt eben auch das Sichausprägen von Unterlegenheitsgefühlen, die sich bei dem ein oder anderen sexuell auswirken – nämlich auf seine diesbezüglichen Präferenzen.

Denn merke: Es gibt fast immer in unserer Entwicklung – jenseits aller womöglich ererbten Charakteraspekte – einen Grund, warum wir etwas tun oder mögen. Es gibt immer einen Grund dafür, warum der eine gesellschaftlich akzeptabel nicht ganz und nicht immer mitten in der Spur ist und jemand anderes sie ganz verlässt und zum Psychopathen und/oder Soziopathen wird. Das aber definiert sich auch am Ausmaß und der Art von Gewalt, die der Betreffende sowohl erfährt als auch anwendet, und den Bedingungen, unter denen das geschieht. Sträflich wird es, wenn es über das statthafte Maß hinaus geht.

Wir reagieren heute nämlich empfindlicher als früher auf Gewalt in unserer unmittelbaren Umgebung, wenigstens auf körperliche Gewalt. Ich gehöre zu einer Generation, die noch Senge bekommen haben, wenn die Erwachsenen das für geboten hielten. Und ein oft gehörter Spruch war: Ihr habt zu wenig Haue bekommen, dies, um anzudeuten, wie gut man es doch habe und wie verwöhnt man sei. Heute ist das Schlagen von Kindern verboten. Auch kann ich mich an ländliche Volksfeste erinnern, an denen Schlägereien fast zum guten Ton gehörten - auch mit meiner Partizipierung. Heute gilt physische Gewalt im direkten Umfeld als geächtet, weg ist sie deshalb nicht. 

Er in der Klemme, sie im Triumph: Teil eines Spiels,
in dem sie Kraft ihrer Muckis Macht über ihn hat
und diese auch ausübt - mit Genuss. Sieht man.


Das Ausmaß der von Takahashi genannten Gewalt im TV, Video, Kino etc.pp. hat meiner Ansicht nach auch den Grund, dass wir jedwede Gewalt heute am liebsten nur spielerisch behandeln. Dies auch, um uns immer wieder selber zu bestätigen, dass wir das mit der Gewalt im Griff haben und auch künftig haben werden. Was geschähe ohne solche Mechanismen, ohne solche Kanalisierungen von Gewalt ins Fiktive und in den Nachrichtenbereich? Der solle ja bitte stets nur die Gewalt "von woanders" zeigen, so die unterschwellige Hoffnung aller Couch Potatoes.       

Und ohne Gewalt? Geht nicht, ich wage diese These. Die Existenz von Gewalt ist nicht nur menschlich, sondern Teil der Natur an sich. Darwinistisch, so mag man diese Ansicht schelten, aber ich kann nicht sehen, was da grundsätzlich falsch dran ist. Und dass extremer Gewaltverzicht ebenso schädlich ist wie extreme Gewaltanwendung – nun, daraus lassen sich ebenso spannende wie witzige und gescheite Filme machen: „Demolition Man“ wurde bei seinem Start bloß als weiteres Action-betontes Sly-Stallone-Vehikel gesehen, aber es ist auch eine scharfsichtige gesellschaftliche Farce zum Thema Gewalt und der Frage, wie sich wandelnde Gesellschaften damit umgehen sollen. Das wird immer mehr von der Filmkritik erkannt: „Sanfte Grüße, was sind Ihre Extreme?“

Nun, ich schrieb, dass die Natur den Mann für die Anwendung von Gewalt körperlich begünstigt hat. Natürlich leben wir seit zig Generationen längst nicht mehr nur so archaisch, dass also der körperlich Stärkste stets gewinnt. Der Mensch hat zur Umgehung eben dieses Aspektes gelernt, sich etwa zu koalieren (die alten Griechen nannten den Menschen „zoon politicon“, politisches Wesen) und etwaigen Zwist auch anders zu lösen, nämlich auf Basis gesellschaftlicher Vorgaben. Somit aber braucht es gewaltige Muskeln eigentlich meistens gar nicht.

Wer dennoch hat, sieht sich oft gesellschaftlichen Reaktionen ausgesetzt, von verdecktem Neid bis offener Verachtung. Es hat schon seinen Grund, warum man starke, auffällig muskulöse Männer schon seit sehr langer Zeit gern als nicht so ganz helle hinstellt, warum man bei derart offensichtlichem Bezug auf die eigene Physis auch gern narzisstische oder homosexuelle Züge konstatiert. Es geht auch mit solchen Klassifizierungen darum, entsprechend Gewalt auszuüben – aber eben keine körperliche, sondern geistige.

Ein Anblick zum Niederknien ...

Und so schwingen NATÜRLICH im Äußeren einer Bodybuilderin stets alle die oben genannten Gewaltaspekte mit. Und so, wie die Reaktionen darauf legitim sind, ist es auch das Eigeninteresse der jeweils so tätigen Ladies. Und auch das der Fans. Denn der BDSM-Aspekt lässt sich nun schon nachweisen, als die Trapezartistin Charmion vor dem Ersten Weltkrieg ihre Muskeln für den Fotografen angespannt hat --- und sich auf dem Trapez entblättert hat. 

Das Zeigen der Muskeln, namentlich das der angespannten Bizepse, zeigte und zeigt IMMER: „Guck mal, wie stark ich bin, du solltest dich nicht mit mir anlegen. Ich kann mehr als du.“ Es geht also um Warnung vor Gewalt und/oder um die Demonstration eines daraus kanalisierten, höheren Leistungsvermögens. Charmions Striptase oben in der Manege wiederum belegte ihre Weiblichkeit und ihren Sex Appeal. Muskeln kombiniert mit Striptease: ein Spiel mit den Geschlechterrollen.

Beides machte damals bei ihr und anderen Athletinnen, heute bei unseren Muskelmaedels diese Mischung aus, die nach wie vor weithin als verstörend empfunden wird und in zahlenmäßig geringerem Kreis als erregend. Sprich: Natürlich ist das Dominante bei Frauen mit solchen Muskeln latent da. Natürlich wollen das Typen wie ich alter Zausel ausleben, der eine mehr, der andere weniger. Natürlich geht es dabei um spielerischen Verlust der Kontrolle über das eigene Ich --- und das befriedigende Rückerlangen derselben, wenn man hinterher angezogen zur Tür hinausgeht. 

Ja, und natürlich habe ich bei Muscle Worship Sessions auch mitbekommen, dass manches Muskelmaedel das als gut bezahltes Spiel ansieht und sich daher gegenüber ihren Fans über ihr wahres Ich und ihr persönliches Leben kategorisch nicht äußert --- aber ich wage nach dem Erleben mehrerer Dutzend solcher Treffen die These, dass die Athletinnen solche Sessions nicht lange abhalten können, wenn sie sich immer und immer dazu überwinden müssen.

Merke: Meine guten Muscle Worship Sessions waren immer die, bei denen ich gemerkt habe, dass die jeweilige Lady es genossen hat, stärker zu sein als ich. Und ich hatte weit mehr gute als unbefriedigende Sessions.

Gehört zu dem, was Muskelmaedel-Fans auch erleben
wollen - er bei ihr im "Headlock", also im
Schwitzkasten. Gewalt oder Spiel? Beides?

Lassen wir den Aspekt mal zur Seite und betrachten andere Antriebe für das Antrainieren solcher Muskeln. Neben der schieren Freude an der Kraft und der Eitelkeit, also dem Bewusstsein für das Aussehen des eigenen Bodies, meine ich nämlich diesen Aspekt: Kann es sein, dass – den Fortbestand unserer sich stetig entwickelnden Gesellschaftsform vorausgesetzt – immer mehr Frauen gerade deshalb Muskeln aufbauen und stark sein wollen, weil sie sich darin selbst ausdrücken? Als Beleg dafür, dass nunmehr sie selbst und nur sie selbst über sich befinden? Sexuell wie auch sonst im Leben? Und dass weder Sex noch Gewalt der unmittelbare und bewusste Auslöser sind, sondern allzuoft einfach der manifeste Gedanke: So will ich sein, ich!


Etwas, das ja eben für Frauen lange nicht ging, ich verweise auf die in früheren Zeiten ja viel stärkeren patriarchalischen Strukturen und den Umstand, dass gerade im von Sozialhistorikern so genannten „Kleinbürgertum Frauen im jungen bis mittleren Alter nur allzuoft ein Vielfaches an Kindern gebaren, als das heute der Fall ist. Klar also, dass der Aufbau solcher Muskel-Bodies auch etwas mit den heute grundsätzlich anderen Arbeitswelten (mehr Freizeit, weniger körperlich belastend, ungefährlicher) und den anderen, weit mehr planbaren Familienstrukturen zu tun hat. Und mit Banalitäten wie unserer Mobilität, dem Vorhandensein eines größeren, ausgewogeneren Nahrungs- und Medikamentenangebots und von genug Licht und Wärme auch in Herbst und Winter.

Unter dem Strich: Ja, ich gehe auch nicht mit meiner Vorliebe hausieren. Aber ich laufe sowieso nicht durch die Gegend und erzähle, mit welcher womöglich verheirateten Frau ich gerade was habe. Und ja, ich kann am Faible als solches nichts Schlechtes sehen, wenn es ansonsten in geregelten Bahnen läuft. Und noch mal ja: Klar ist Gewalt ein Aspekt rund um die muskulöse Frau – ja und? Gewalt ist ein unumgänglicher Aspekt des Lebens. 

Aber ich wage zu bezweifeln, dass Gewalt immer der unmittelbare und - ich betone: - bewusste Auslöser dafür war, warum das spätere Muskelmaedel erstmals zur Hantel gegriffen hat. Vielmehr dürfte es darum gegangen sein, Vorbildern nachzueifern oder einer bestimmten Faszination zu folgen. Ja und dann ist da der Aspekt, dass vielen das Eisenpumpen an sich schlichtweg Spaß macht, die körperliche Erfahrung. Um es im Psychologen-Duktus zu sagen, wie also die FBB zu ihrem Sport kam: Latent mag Gewalt vielleicht eine Rolle spielen, manifest meistens nicht. 

Aber ebenso klar ist, dass auch meine Worte längst nicht abschließend sind und das zudem nicht sein wollen. Oder um den legendären Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki zu zitieren: „Der Vorhang fällt und alle Fragen bleiben offen.“

Schmoe's dream ...

Kommentare:

  1. MartinKohl19/10/17

    Meine Herrlichkeit gehört zu der sehr, sehr seltenen Sorte der FBB-Fans, die weder auf Wrestling, noch auf Domination, noch auf Lift and Carry ect stehen.

    Daher kann ich eher der Argumentation von Takahashi folgen, dessen Blog im Übrigen so dermaßen kompliziertes Englisch aufweist (erstaunlich für nen Ami), dass ich da regelmäßig passe.

    Klar ist, dass von einer Frau, deren Body aussieht wie ein Bär, eine -gewaltige- Ausstrahlung ausgeht.
    Ich bin jedoch der Meinung, dass im gesellschaftlichen "Normalfall", Starker Mann - Schwache Frau, ja auch kein Gewalt-Aspekt eine Rolle spielt sondern eher der Beschützer-Aspekt.

    Was im Falle von FBBs eine geniale (von mir äußerst geschätzte) Zwiespältigkeit aufwirft: Die Frau mit dem gewaltigen Body will (behaupte ich) beschützt werden, obwohl sie selbst wie der "Beschützer" aussieht.

    Das wäre wiederrum ein Thema für nen eigenen Blog-Eintrag ;-)

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  2. Anonym20/10/17

    Mach doch mal. Matt setzts bestimmt rein wenns was taugt. Tät mich intresseiren und ich würds lesen! -lovesblonde

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--- mattmuscle, der sich über möglichst viele sinnvolle Kommentare und Anmeldungen bei "Wer mitliest - die Muskelmaedel-Community" in der rechten Blog-Spalte freuen würde ...